Vor kurzem musste ich schmunzeln. Ich habe jemanden belauscht. Und die Frage war ganz schnell: darf ich eine Hypnosesitzung aufnehmen? Zumindest kam ich mir fast so vor, als hätte ich jemanden belauscht. Ich war bei Facebook in einer Gruppe. Es geht um Selbsthilfe bei psychischen Erkrankungen. Die Frage war, ob es möglich ist, als Erwachsene herauszufinden, ob man in der Kindheit sexuellen Missbrauch erlebt hat. Eine delikate Frage, in der sehr viel Raum für Missverstände steckt. Sie hat das Potenzial zu nicht nur einer Tretmine. Das streife ich jetzt nur am Rande.

Alltagsthemen bearbeiten oder Hypnosesitzung aufnehmen?

Denn es birgt in sich eine große Problematik. Es gibt Menschen, die behaupten, ihnen sei von Therapeuten dieser Missbrauch eingeredet worden. Daraus ist eine ganze Bewegung entstanden, die sich False Memory Syndrom nennt. Und sie wird auch heftig bekämpft, weil wiederum andere sagen, dass man einem so etwas nicht einreden kann. Der Streit dauert an, auch wenn es die Organisation mittlerweile in den USA zumindest nicht mehr gibt. Ich glaube, sie wurde sogar verboten. Wenn hier Interesse daran ist, kann ich auch darüber mal was schreiben.

Shivani Vogt Hypnosesitzung aufnehmen

Während einer Sitzung sitze ich manchmal auch im Garten.

Natürlich kam genau das auch als Einwand auf die Frage. Und dass man als Betroffene lieber an den Alltagsthemen und den aktuellen Herausforderungen im Alltag arbeiten solle. Dem kann ich nur zustimmen. Ich bin generell dagegen, dass eine Therapie “nur im Kopf” stattfindet. Manche Methoden sind mir zu kognitiv bzw. zu abgehoben vom Körperbewusstsein. Denn ohne den Körper geht gar nichts – und der vergisst auch nichts – und er gibt alles wieder in die Erinnerung frei wenn es Zeit dafür ist. Das führt mich auch wieder zurück zu der Frage in der Gruppe bei Facebook.

Und schon sind wir beim Thema bei der Hypnose

Es kam – wie kann es anders sein – auch die Sprache auf Hypnose. Man könne die Sitzung doch unter Hypnose durchführen und diese aufzeichnen. Darum könne man ja bitten und notfalls halt heimlich mitschneiden. Im Fernsehen habe sie sowas schon gesehen. Und darüber möchte ich gerne heute schreiben. Ja, man kann Sitzungen aufzeichnen. Aber muss es denn heimlich sein? Das fragte dann auch noch eine andere Frau, die kommentierte. Und mahnte noch mit erhobenem Zeigefinger: “Hypnose sollte mit Bedacht eingesetzt werden.” Ich habe dann nicht gefragt warum. Das hätte ich mal machen sollen. Aber ich dachte mir: “Ich kenne ja die Vorurteile.” Mhm. “Aber die der Frau kennst du nicht.”, sagte meine innere Stimme. Ja, aber ich muss auch nicht alles wissen. Sie hat mich ja nicht gefragt.

Darf ich die Hypnosesitzung aufnehmen?

Tatsächlich werde ich immer wieder gefragt, ob es möglich ist, dass ich die Sitzung aufnehme. Und in Zeiten der Onlinetherapie ist das ja auch gar keine große technische Hürde mehr. Einfach aufs Knöpfchen drücken, die Aufnahme später per Email versenden, ich lösche sie bei mir und gut ist. Aber es sind wenige, die dieses Bedürfnis haben. Viel verbreiteter ist da allerdings der Wunsch, dass ich eine Trance mitschneide. Und das mache ich auch regelmäßig. Während ich über das Headset die Stimme meiner Klientin höre und darüber auch mit ihr spreche, zeichnet das Programm über das andere Mikro nur meine Stimme auf. Ich kann danach noch laute Geräusche aus der Aufnahme herausschneiden oder Versprecher bereinigen. Wobei Versprecher in einer Trance gar nicht stören. In meiner Ausbildung habe ich sogar eine Technik gelernt, in der ging es darum, über Phantasiewörter eine Trancevertiefung zu bewirken. Es geht also in der Hypnotherapie nicht immer logisch zu. Inhaltlich natürlich auf jeden Fall, aber nicht wenn es darum geht, an der Logik des Verstandes vorbei einen Zugang zum Unterbewusstsein zu bekommen. Das ist noch ein gutes Thema, das “mysteriöse Unbewusste”. Darüber kann ich auch mal was schreiben. Aber jetzt schreibe ich schon wieder alles was ich denke. Wo wollte ich jetzt mit meinem Text gerade hin?

Hypnosesitzung aufnehmen – welchen Sinn hat das?

Ich nehme in der Tat recht viele Sitzungen auf. Und wenn sie dann auch noch bearbeitet sind, verschicke ich sie. Wobei es gar nicht die gesamte Sitzung ist – eben nur der Teil wenn wir in Trance arbeiten.  Zu Hause kann meine Klientin die Aufnahme dann hören. Das hat den Vorteil, dass sie wählen kann, wann sie das macht. Natürlich darf sie es nicht beim Autofahren hören. Und schon gar nicht bei anderen Tätigkeiten, die ihre volle Aufmerksamkeit fordern. Denn vielen geht es dabei ganz leicht so, dass sie einschlafen. Und das ist auch nicht schlimm. Zumindest für den Effekt, den meine Worte dann haben sollen. Denn sie kommen ja im Unterbewusstsein dennoch an, auch wenn meine Klientin schläft. Wenn das aber beim Autofahren passiert, das muss ich ja nicht schreiben, das ist jedem klar, was da passieren kann und dass es nicht passieren darf? Ich war ja beim Sinn – dir ist sicherlich klar – wer zu Hause die Trance wiederholen kann, der vertieft die Wirkung. Und das ist richtig toll.

Bei welchen Themen kann man eine Hypnosesitzung aufnehmen?

Am liebsten würde ich natürlich schreiben: bei allen Themen macht das Sinn. Aber es stimmt natürlich nicht. Denn oft ist es gar nicht nötig, eine Sitzung zu wiederholen. Der Effekt ist schon direkt bei der Arbeit so durchschlagend, dass sich meine Klientin direkt danach gleich ganz anders fühlt, ihren Körper viel deutlicher wahrnimmt, Symptome einfach so verschwunden sind, Wahrnehmungsfilter einfach verändert sind, viel mehr Nähe zu sich selbst und anderen spürbar ist. Das braucht keine Wiederholung. Wo es hingegen wirklich hilfreich ist, eine Aufnahme zu machen ist, wenn es um den Körper geht. Denn hier kann eine Veränderung durchaus ein wenig Zeit brauchen. Beim unerfüllten Kinderwunsch zum Beispiel kann eine Aufnahme helfen, was sich innerlich verwandelt hat, sich auch körperlich zu manifestieren. Und ich spreche jetzt erstmal davon, dass ein Follikel springt, dass eine Tube des Eileiters wieder durchgängig wird, die Muskulatur der Gebärmutter freier wird von altem seelischen Ballast oder die Schleimhaut sich einfach dicker aufbaut und besser durchblutet ist. Genauso gut sind Trancen wenn jemand schlecht schlafen kann. Auch hier ist es gut, es zu üben und die Trance öfters zu hören und nicht nur in der Sitzung vor Ort. Mit ein wenig Übung schläft es sich dann wieder besser. Auch bei hohem Blutdruck hat es sich bewährt, den Körper über eine Trance öfters üben zu lassen. Und zusammenfassend kann ich sagen: Bei allen Themen wo der Körper und die Psyche ein Zusammenspiel haben sind Aufnahmen sehr dienlich.

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Bild: www.lothardoerfer.de