Diesen Satz höre ich sehr oft, wenn es um Eifersucht geht. Ist ja nur ein bißchen Eifersucht. Ich bin aber entschieden anderer Meinung. Dabei sind andere sich ganz sicher mit ihren Argumenten. Schließlich braucht es ja auch etwas, das die Beziehung zusammen hält. Und es zeigt ja auch, dass mir der andere wichtig ist, oder?

Shivani nicht einverstanden

Das sehe ich anders….

Gibt es ein bißchen Eifersucht?

Wieviel Eifersucht ist normal? Gibt es viel Eifersucht? Und gibt es wenig Eifersucht? Was ist Eifersucht überhaupt? Ist es ein Gefühl? Viele Fragen – und was ich ganz sicher weiss ist: jeder empfindet Eifersucht anders. Und jeder steht mit seiner individuellen Geschichte mit Eifersucht an einer anderen Stelle. So wie ich das sehe ist Eifersucht kein Gefühl. Es ist eine Ansammlung von vielen unangenehmen Gefühlen. Das unangenehmste davon ist Schmerz, ein tiefer seelischer Schmerz. Hilflosigkeit spielt auch eine Rolle. Und Wut natürlich, auch Enttäuschung und Bitterkeit. Ärger. Angst. Natürlich gibt es dann ganz individuelle Strategien, damit umzugehen. Ich spreche meine Gefühle an. Oder ich verberge sie vor dem anderen. Schließlich will ich ja nicht eifersüchtig sein. Das müsste ich ja langsam endlich schaffen, damit umzugehen. Dass das bloß keiner mitkriegt.

Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich das Leiden

Würde ich jetzt einen Podcast sprechen, sagte ich nun: “Genau, darin besteht das Leid.” Zwischen diesen beiden Polen bewegt es sich. Die einen drücken es aus, die anderen verbergen es. Und was ist besser? Was ist schlimmer? Natürlich ist es besser, wenn ich drüber sprechen kann. Wenn ich zu meinen Gefühlen stehen kann. Denn alles, was versucht wird zu verbergen ist ja eh da. Es treibt sein Unwesen. Es vergiftet die Beziehung zu meinem Gegenüber, zu meiner Liebsten, zu meinem Liebsten. Und ist es jetzt besser, wenn der andere davon weiss oder wenn er ahnungslos ist? Es kommt drauf an, wie mutig du bist. Ich kenne Menschen, die kontaktieren mich und sagen dann ihren Termin ab, weil sie ganz ehrlich noch nicht bereit sind, sich ihren Themen zu stellen. Schade. Ja, es braucht Mut. Und wenn ich mir dann innerlich eine Klientin her hole, die wirklich sehr belastet war, der es heute gut geht. Sofort richtet sich mein Körper auf, sofort spüre ich die Freude, die Weite, die selbst ich wahrnehme wenn ich an die Entwicklung einer Klientin denke. Sie hat es geschafft, sie hat sich getraut.

Aber jetzt bin ich abgeschweift. Ich bin beim Thema: ein bißchen Eifersucht ist doch gesund. Also, wo sind wir? Es fühlt sich unangenehm an – für beide Beziehungspartner, die involviert sind. Und man kann es offen zeigen oder verstecken. Was meinen die, wenn sie sagen, ein wenig sei gesund?

Ich bin dem anderen wichtig!

Das Hauptargument ist ganz sicher, durch die Eifersucht kann ich spüren, dass ich dem andern wichtig bin. Mhm. Ehrlich? Ist ein Lob, eine kleine Aufmerksamkeit, das Einhalten von Versprechen, den anderen wahrzunehmen, mit ihm Zeit zu verbringen, mich für seine Sorgen zu interessieren, mit ihm gemeinsam Sport zu machen, ihn zum Lachen zu bringen, Essen zu gehen nicht viel mehr ein Beweis, dass mir der andere wichtig ist? Braucht es dafür Eifersucht?

Es braucht etwas, das uns verbindet.

Ja, wenn Eifersucht im Spiel ist, dann drehen sich die Gedanken den ganzen Tag nur um den anderen. Das verbindet. Ich denke den ganzen Tag drüber nach, was er jetzt gerade macht, wem er gerade schreibt, wem er hinterher schaut. Und ich versuche irgendwie, mit den damit verbundenen Gefühlen klar zu kommen. Ich bin der Wut, der Angst, der Hilflosigkeit ausgeliefert. Kontrolle ist dann das Mittel der Wahl. Ich kontrolliere meine Gefühle. Ich gehe mit dem anderen dann so um wie mit mir selbst – ich beginne auch, meine Liebste, meinen Liebsten zu kontrollieren. Ist das wirklich der Kitt, der uns verbindet?

Ich stehe auf anderen Kitt, der uns zusammenhält!

Niemals werde ich dich verurteilen, wenn du unter Eifersucht oder Verlustangst leidest. Ich finde es ganz normal, so zu empfinden. Du hast sicherlich Dinge erlebt, die rechtfertigen, dass du das fühlst. Aber ich habe etwas dagegen, wenn gesagt wird, dass Eifersucht normal oder ein wenig davon, ein bißchen Eifersucht sogar gesund sein soll. Denn aus meiner Erfahrung ist es zerstörerisch. Es ist das, was dich und deine Liebste, deinen Liebsten auseinander bringen kann. Es ist eine Tretmine, die meistens dann los geht, wenn du es gerade gar nicht erwartest. Aber warum schreibe ich darüber? Wenn du diesen Artikel liest, dann kennst du das selbst zu genüge.

Was ist es dann, das verbindet?

Wenn du schon länger hier bist, dann weisst du schon, was jetzt kommt: das Nervensystem. Was euch zusammen hält ist nicht etwas, das du konkret tust. Und es ist auch nicht ein bißchen Eifersucht. Sondern dein Nervensystem sollte im Modus der Verbundenheit sein. Das tut es nicht, wenn dir Vertrauen oder Sicherheit verloren gegangen ist. Das ist der Schalter, der dein Nervensystem in den Kampf- oder Fluchtmodus bringt. Und genau dort bist du drin, wenn du unter Eifersucht oder Verlustangst leidest. Dir ist Vertrauen verloren gegangen. Und dabei ist es vollkommen egal, ob dieser Vertrauensbruch irgendwann einmal in der Kindheit passierte und eine aktuelle Situation diese nur aktualisiert. Oder ob du aktuell einen solchen erlebt hast. Partner fremd gegangen. Partnerin hat dich betrogen. Vertrauen ist futsch – und dein Nervensystem kämpft. Oder es bringt dich dazu, davon zu laufen.

Aber ich wollte ja jetzt schreiben, was verbindet. Was verbindet ist einfach nur die Fähigkeit deines Nervensystems, in Verbindung mit deiner Liebsten, deinem Liebsten zu sein. Du kannst dich einfühlen, du “siehst” die / den anderen. Deine Verletzungen sind geheilt. Vertrauen ist da, Sicherheit ist da. Du fühlst dich sicher mit dem anderen. Du spürst die Verbundenheit, während du bei der Arbeit sitzt. Du kannst in Ruhe deine Arbeit machen. Deine Gedanken sind fokussiert bei deinen Aufgaben – während du in deinem Herzen spürst wie der andere schmunzelnd an dich denkt. Das ist gesund. Ganz und gar. Und das wünsche ich dir.

Bild: www.lothardoerfer.de

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