Graue Haare nicht mehr färben – und doch mehr Komplimente?

Jul 29, 2022 | Persönliches | 0 Kommentare

Graue Haare nicht mehr färben. Ich konnte es mir zu Beginn gar nicht vorstellen, wie es sein würde, bei meinem dunklen Haar die grauen Haare rauswachsen zu lassen. Die ersten hellen Haare auf meinem Schopf habe ich bereits in meinen 20ern entdeckt. Seither färbte ich mein Haar. Und ich wusste schon gar nicht mehr, wie meine natürliche Haarfarbe aussieht. Heute trage ich stolz einen Silber-Schopf, stehe also zu meinem weissen Haar. Hier schreibe ich für dich, wie mir der Übergang gelang und was sich dadurch für mich verändert hat.

Shivani Vogt

Graue Haare nicht mehr färben – das braucht Mut

Eine Naturfriseurin, die ich auf der Straße getroffen habe, hat mir Mut zugesprochen, meine dunklen Haare grau werden zu lassen. Ich kannte sie bis dahin nicht, sie hat ein Plakat gesehen von einer Ausstellung, die ich damals in meiner Praxis in Pfullingen veranstaltete. “Es ist viel leichter, wenn dir jemand Mut zuspricht. Anderen geht es auch so.” Und das hat geholfen, den ersten Schritt zu gehen. Ihr Zuspruch, die Worte, die sie sagte, die Bilder, die sie mir in den Kopf setzte. Das war wichtig für mich, um dieses Projekt anzugehen – und auch um dranzubleiben. Denn ich stellte mir oft diese Frage: “Wie sehe ich mit grauen Haaren aus?” Sie hat mir den Mut gegeben, den ich brauchte, um nicht aufzugeben, um dranzubleiben. Und zwar für jeden einzelnen Schritt. Wie sie ungefärbt aussehen, das weisst du erst, wenn sie rausgewachsen sind.

Was hat es mir schwer gemacht, meine grauen Haare nicht mehr zu färben?

Es war zugegeben nicht ganz einfach, den Schritt zu gehen, meine Haare nicht mehr zu färben und sie weiss sein zu lassen. Der erste Grund war, dass ich mich mit meinem Schnitt sehr wohlfühlte. Ich war gerne bei meiner bisherigen Friseurin und ich freute mich auf jeden einzelnen Termin bei ihr. Sie hatte damals schon einen ganz individuellen Salon und ich war meistens ganz alleine mit ihr dort. Es war eine sehr exquisite Wohlfühlzeiteit für mich. Sie hatte wirklich ein Händchen für mein Haar und sie verstand auch, aus meinem Typ das Beste herauszuholen. So eine Veränderung ist ja immer ein Risiko. Dass mein Haar ganz weiss sein würde, wusste ich vorher ja nicht. Ich fragte mich, ob es sich wirklich lohnen würde oder ob ich enttäuscht sein werde? So kündigte ich ihr einfach meinen Plan an und fragte sie, ob ich wieder zu ihr zurückkommen dürfe, wenn es je schiefgehen würde. Meine Angst, dass sie mich dann nicht mehr als Kundin annehmen würde, war natürlich unbegründet. Sie fand es auch schade, dass ich für dieses Projekt mein Vertrauen einer anderen Friseurin schenken wollte – sie hat mir dann aber sogar zugesprochen. Und schwer war es natürlich, weil ich noch nicht wusste, wie ich mich fühlen würde, mit dem anderen Schnitt, mit der anderen Farbe und mit diesen ganzen Veränderungen. Vor allem machte es mir Sorgen, wie es sein würde, dunkel gefärbtes Haar hell rauswachsen zu lassen.

Das hat mich lange davon abgehalten, mit dem Färben aufzuhören:

  1. Ich fühlte mich mit meinem bisherigen Haarschnitt wohl.
  2. Die Termine bei meiner Friseurin habe ich immer genossen – ich freute mich darauf.
  3. Ich war mir klar, dass ich die Friseurin wechseln musste.
  4. Es war ein eindeutiges Risiko, weil ich ja nicht wusste, ob ich mir gefallen würde ohne die Farbe.
  5. Wie würde ich mich mit der neuen Farbe fühlen?
  6. Ich war mir unsicher, ob mir der neue Schnitt gefallen wird.
  7. Vor der Zeit des Überganges hatte ich besondere Angst – vor allem, dass ich ungepflegt aussehen könnte.
  8. Es war ganz viel Unsicherheit, die mich lange von diesem Schritt abgehalten hatte.

Shivani Vogt Graue Haare nicht mehr färbenWas hat es mir leicht gemacht, meine grauen Haare nicht mehr zu färben?

Zunächst wollte ich davon weg, mir Farbe ins Haar zu schmieren, weil mein Körper schlicht damit überfordert war. Auch wenn meine Friseurin eine milde Farbe verwendete – hatte ich doch jedes Mal am Tag danach blutige Kopfhaut. Mein Körper wollte die Giftstoffe nicht mehr auf der Haut und im Haar haben. Das war zu einer Zeit, da mein Körper sowieso insgesamt noch ziemlich überfordert war. Meine ganzen Traumen, die sich in den letzten Monaten gelöst haben, waren dort noch unentdeckt und belasteten mein ganzes System, es war zu viel Stress im System. Natürlich war ich mir auch bewusst, dass es viel besser für die Umwelt ist, wenn das Abwasser nicht mehr mit den Giften belastete wird. Mein Beitrag für eine bessere Welt. Meine neue Friseurin plädierte dafür, mein Haar wachsen zu lassen – und das würde mir auch viel Geld sparen – und auch Zeit. Ich würde viel weniger Zeit beim Friseur verbringen. Mein neues Haar passt viel besser zu meinen Werten – denn mein Silberhaar steht für mich auch für Natürlichkeit.

Das sind meine Benefits, die Haare nicht mehr zu färben:

  1. Keine Belastung mehr für den Körper durch die Farbe.
  2. Die Umwelt wird nicht durch die Farbe belastet, die Kläranlagen sind entlastet.
  3. Mein Haar ist seither viel gesünder, ich habe kaum mehr brüchige Spitzen.
  4. Ich spare einiges an Geld, weil ich nicht mehr alle 4-6 Wochen beim Friseur sitze.
  5. Ich kann meine Friseurtermine viel flexibler gestalten, muss also nicht unbedingt hingehen, sondern kann einenTermin auch mal verschieben, wenn etwas dazwischen kommt.
  6. Ich verbringe viel weniger Zeit beim Friseur, die ich ganz anders füllen kann.
  7. Mein Silberhaar verkörpert einen meiner wichtigsten Werte: Natürlichkeit.

Ob ich nicht doch wieder ein wenig Farbe reinmachen lasse?

Das Bild zeigt mich zu einem Zeitpunkt, als ich mich schon lange wohl fühlte. Die Farbe war beinahe heraus gewachsen und es war nicht mehr so ein Gefühl, als würden andere denken, ob ich wohl vergessen hatte, mir die Haare zu färben? Es war klar: Die Farbe wächst raus. Und ich muss gestehen, als ich den letzten Rest abschneiden liess, überlegte ich sogar, ob ich nicht wieder ein wenig Farbe unten rein färben soll. Aber ich habe es gelassen und bin mit meinem weissen Haar seither glücklich.

Graue Haare nicht mehr färben – so gelang mir der Übergang

Das waren meine Schritte für einen gelingenden Übergang – und welche wirst du gehen?

  1. Entscheidung
    Als Erstes habe ich entschieden, dass ich mit dem Färben aufhören werde. Wie steht es mit deiner Entscheidung?
  2. Unterstützung
    Dann habe ich mich entschieden, mir die Unterstützung von einer Frau zu holen, die das schon öfter begleitet hat.
  3. Abschied von meiner bisherigen Friseurin
    Dazu gehörte dann auch, meine Friseurin zu wechseln. Denn meine bisherige Friseurin verdiente ja hauptsächlich ihr Geld damit, mir Farbe ins Haar zu machen. Also vertraute ich ihr nicht so ganz, mich dabei zu begleiten, das zu lassen. Und so habe ich mich von ihr verabschiedet. Es kann sein, dass deine das kann – ich habe es meiner nicht zugetraut.
  4. Termin ausmachen
    Dieser Termin bei der Friseurin war anders als ganz viele vorher. Sie hat mir das Haar geschnitten, aber keine neue Farbe aufs Haar gepinselt. Hast du schon einen Termin?
  5. Durchhalten während der ersten Zeit des Übergangs
    Zu Beginn hatte ich dunkles Haar und einen hellen Ansatz. Dieser war zu Beginn so kurz, dass es ganz unmöglich aussah und ich mich auch ein wenig schämte. Die anderen dachten sicher oft, dass ich ungepflegt sei und ich mal wieder zum Friseur gehen sollte, um die Haare zu färben. Aber je länger der weiße Haaransatz wurde, desto klarer wurde es für alle: Ich lasse mein Haar jetzt ohne Farbe wachsen.
  6. Komplimente bekommen
    Die Komplimente begannen schon zur Zeit, als der Ansatz immer länger und die Restfarbe immer kürzer wurde. Es waren Komplimente für den Mut, Komplimente für mein weißes Haar, Komplimente fürs Durchhalten und es waren immer schöne Gespräche. Viele erzählten mir, dass sie längst die Färberei satt seien – sich aber nicht trauten.

Die Reaktion auf mein graues Haar war ganz anders als erwartet

Welche Reaktion hatte ich erwartet auf meine herauswachsenden grauen Haare? Die Reaktionen auf mein immer sichtbarer werdendes graues Haar waren ganz anders, als ich das erwartet hatte. Ich wurde öfter in ein Gespräch über mein Haar verwickelt, als ich das von früher gewohnt war. Es waren meistens Frauen, die mich darauf ansprachen. Ich wurde bewundert für meinen Mut, ich wurde bewundert für mein silbernes Haar, ich wurde bewundert für diesen mutigen Schritt. Ich wurde gefragt, was mir geholfen hat, den Schritt zu tun. Viele wünschten sich das auch – trauten sich aber nicht. Manche färben sich ja sogar “Granny Hair, also Silberhaar – sogar Zwanzigjährige. Das Risiko bei diesem Schritt bestand ja darin, dass ich nicht wusste, wie es tatsächlich unter der Farbe aussieht. Bei mir ist es Silberhaar. Meine neue natürliche Haarfarbe ist also hoch in Mode. Glück gehabt. Das drückt sich in den Reaktionen aus.

Die Hauptsächliche Reaktion auf meine Entscheidung: Komplimente

Erst gestern wieder, als ich meinen Schwester von der Arbeit abholte. Eine Frau sitzt auf einem Stuhl unterm Dächlein im Freien und raucht. “Sie haben wunderschönes Haar. Ist die Farbe echt?” Ja, natürlich ist sie echt und ich fühle mich auch sehr wohl damit, keine Farbe draufzupacken. Sie sagt noch ein paar Worte und wir gehen wieder jede ihren eigenen Weg. Beide ein wenig glücklicher. Denn Komplimente machen glücklich – die es gibt und die es empfangen darf. Das ist nur eine der vielen Geschichten – denn ich bekomme viele Komplimente für mein silbernes Haar. Traust du es dir? Graue Haare nicht mehr färben?

Warum bekomme ich so viele Komplimente?

Vielleicht liegt es daran, dass ich genau wie Sarah Harris von Vogue auch dunkle Augenbrauen habe? Sarah Harris hat ebenso wie ich ihre ersten grauen Haare schon sehr früh entdeckt und trägt heute ihr Haar als Markenzeichen.  Die sind nicht gefärbt, sondern sie sind dunkel geblieben. Das ist ein schöner Kontrast. Aber ich glaube, dass mir so viele Frauen Komplimente machen, weil sie es sich selber wünschen würden, sich zu trauen, diesen Schritt zu gehen. Und vielleicht kann ich dir ja auch Mut machen, mit diesen Zeilen, es anzugehen?

Angestiftet zu diesem Blogbeitrag hat mich meine Blog-Mentorin Judith Peters. Und auch sie hat über graues Haar geschrieben – auch wenn sie noch kein einziges davon hat.

Wie glücklich bist du mit deiner Haarfarbe?

Und wann hast du das letzte Mal einer Frau gesagt, wenn dir ihr Haar gefällt?

 

Du magst etwas erfahren zum Phänomen des Lebenden Zwillings?

Vom 12.-21.12.2022 hast du die Gelegenheit, für 0 € beim Onlinekongress dabei zu sein. Anmelden kannst du dich hier. Elke Brenner hat auch mich interviewt. Die Interviews sind jeweils um 18 Uhr frei geschaltet. Mein Interview kannst du am Dienstag, also am 13.12.22 ab 18 Uhr bis Mittwoch um kurz vor 18 Uhr hören.

Hör mal in meinem Podcast vorbei

#101 – Eine Ursache für Selbstsabotage: Grenzverletzung in der Kindheit

#73 – Was ist Selbstbewusstsein? Erklärt auf der Basis deines Nervensystems

#97 – Darm und Psyche oder wie der Vagusnerv deine Verdauung modeliert

#90 – Geräusche von Nachbarn ausblenden – was steckt dahinter wenn das nicht geht?

#96 – Es gelingt mir nicht, mein Leben zu verändern wie ich möchte!

#88 – In Freude meinen Platz einnehmen

 

 

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Das betrifft dich nicht? Vielleicht hast du recht – vielleicht liegt hier die Lösung:

Kennst du diese Gefühle, die schon seit deiner Kindheit? So wie eine Hintergrundmusik?

  • Unerklärliche Trauer
  • Schuldgefühle, Verantwortungsübernehme – wenn es einen Schuldigen braucht, dann stellst du dich zur Verfügung
  • Wut – ausgeprägter Gerechtigkeitssinn
  • Du bist auf der Suche? Weisst aber nicht, was du suchst?
  • Verlassenheitsängste (auch wenn der Partner betroffen ist und es scheinbar mit dir nichts zu tun hat)?
  • Das Gefühl, ganz alleine zu sein – auch wenn du in Gemeinschaft bist.
  • Das Gefühl: Nichts wird ein gutes Ende nehmen. Du kannst keine Projekte (erfolgreich) abschließen, du beginnst vieles, beendest aber nichts.
  • Vieles, vieles mehr…

 

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