Ich habe mal wieder eine Email bekommen mit einer Frage für den Podcast. Simona fragt wegen ihrer Freundin, die sie zunehmend als dominant empfindet. Sie hat den Eindruck: “Bei meiner Freundin kann ich nur Untergebene sein.” Sie bittet mich, das im Podcast zu besprechen. Ich mag es dir auch hier im Blog zum Lesen zur Verfügung stellen.

Was tun, wenn die Freundin dominant ist?

Gerade wenn eine Frau sich entwickelt, immer mehr in ihr Potenzial kommt und ihre Kraft lebt, gibt es dieses Phänomen. Ich spreche davon, dass die Sinne wieder weiter gestellt werden. Im Kampf-Fluchtmodus werden die Sinne ja auf den Fluchtweg oder auf unseren Kampfpartner fokussiert. Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Spüren sind nur darauf ausgerichtet. Der Tunnelblick, das Wahrnehmen von vor allem den hohen Tönen, weil diese eher Gefahrenreize darstellen sind dann das worauf unsere Sinne spezialisiert sind. Dabei verlieren sie ganz viele andere Fähigkeiten. Und was das in Beziehungen für eine Auswirkung haben kann, darum geht es heute auch.

Der Brief: Macht in einer Freundschaft

Liebe Shivani, ich habe eine Frage zu einer sehr lange gehegten Freundschaft. Wir sind zwei Frauen Ende 30 bzw Anfang 40. Mir ist in letzter Zeit aufgefallen, dass meine Freundin mich sehr dominiert. Sie fällt mir oft ins Wort oder übernimmt bei einer gemeinsamen Unternehmung die Führung. Das “Blöde” ist: ich könnte vieles davon besser. Das soll nicht arrogant klingen. Beim gemeinsamen Kochen will sie z.B. bestimmen, wie es gemacht wird… obwohl ich viel geschicktere Lösungen hätte. Oder sie bemuttert mich, tut mir etwas auf den Teller auf, räumt meine Sachen auf usw. Wenn wir ausgehen, muss ich ewig auf sie warten, bis sie alle ihre Dinge beisammen hat und stehe dann herum und warte. Ich fühle mich von ihr immer freundlich behandelt, aber wie ein Kind. Sie ist Sternzeichen Widder, ich bin Fische. Ich habe neben ihr das Gefühl, meine Persönlichkeit nicht auf gesunde Weise leben zu können. Natürlich habe ich das schon angesprochen, aber sie sagte, sie meine es nur gut und sie will sich eben einbringen. Ein letztes Beispiel vielleicht: wenn wir gemeinsam kochen stellt SIE stolz die Pfanne auf den Tisch. Sie nimmt gern meine Ideen und Anregungen und gibt sie dann als ihre eigenen aus. Und ich fühle mich benutzt und irgendwie missbraucht. Früher hatte ich weniger Selbstvertrauen, da fand ich es normal, dass sie sich für besser hält. Aber inzwischen ist mein Selbstvertrauen gewachsen und es stört mich sehr, dass sie immer die “Bestimmerin” sein will. Ich habe ein richtig schlechtes Gewissen, das hier zu schreiben. Aber wenn ich ehrlich zu mir bin, empfinde ich die Freundin inzwischen als hochmütig – obwohl wir uns früher so sehr mochten. Was meinst du? Mir kommt es vor allem darauf an, dass ich meine Stärke zur Zeit schlecht entwickeln kann, in ihrer Gesellschaft. Ich habe das Gefühl, bei ihr kann man nur Untergebene sein. Über eine Besprechung meines Themas würde ich mich freuen. Simona

Gehe deinen Weg munter weiter!

Liebe Simona, vielen Dank erstmal für deine schöne Frage. Du hast dich in letzter Zeit entwickelt, hast an Stärke gewonnen und beginnst jetzt wahrzunehmen, wie eure Beziehungsqualität ist. Ihr seid offenbar nicht auf Augenhöhe. Nein, es gibt ein Machtgefälle – wie du ja auch richtig wahrnimmst. Du wirst herumdirigiert, bevormundet und vor vollendete Tatsachen gestellt. Und jetzt fragst du, was ich meine. Das sage ich dir.

Wie kann ich im Schatten einer dominanten Freundin in meine Kraft kommen?

Das ist die Frage, die du dir stellen darfst. Als erstes empfehle ich dir: Dein Fokus darf bei dir sein – nimm den Fokus weg von deiner Freundin. Bleibe immer schön in Bewegung – so wie imm Kampfsport. Habe dich im Fokus und genieße dich. Sei milde mit dir, wenn du immer wieder feststellst, dass dein Fokus auf der Freundin liegt. Das ist das erste. Als zweites überlege dir. was du möchtest und teile das mit. Es gibt die Freundin, die dich vor vollendete Tatsachen stellt – und es gibt dich, die sich das einfach gefallen lässt. Oder besser gesagt: Du hast dir das bisher gefallen lassen. Du kannst aber auch anders reagieren. Und ich sage dir, es gibt Millionen Möglichkeit, wie du dir deine Kraft und deine Handlungsfähigkeit in diesen Situationen wieder zurück holen kannst. Setze dich erstmal hin und überlege dir, wie du mit Kraft und Stärke reagieren könntest. Wenn sie die Pfanne auf den Tisch stellt, nimm sie, stelle sie zurück und sage: “Heute bin ich dran.” Und dann strahlst du sie an. Mache es mit Leichtigkeit, kämpfe nicht mit ihr. Was ich hier schreibe sind nur Vorschläge – finde deine eigenen Lösungen.

Wann bin ich arrogant?

Du schreibst, du magst nicht arrogant sein. Ich frage dich: “Was ist Arroganz?” Du meinst damit, weil du spürst, dass du die geschickteren Lösungen hättest – vieles einfach besser könntest. Weisst du, was Arroganz ist? Ich finde es arrogant, wenn du dich weiter versteckst, wenn du dich weiter zurück hältst und im Schatten von deiner Freundin unglücklich bist. Ich empfehle dir: “Höre auf, mit der Freundin zu kämpfen.” Tritt aus ihrem Schatten heraus indem du beginnst, das was du kannst zu kommunizieren und umzusetzen.

In deinem Kopf seid ihr beide wahrscheinlich gegeneinander. Warum nimmst du an, wenn sie den Topf auf den Tisch stellt, sie das immer machen sollte? Warum nimmst du ihn ihr nicht einfach aus der Hand oder schiebst sie galant zur Seite, hälst ihn selber, mit einem Lächeln auf den Lippen: “Heute bin ich dran.” Also tu dir selber den Gefallen, sei nicht weiter so arrogant, dich für unwichtig zu halten. Ich habe heimlich ein wenig den Eindruck, du nimmst deine Freundin als Ausrede dafür, dass du dein Leben nicht richtig leben kannst oder nicht richtig leben brauchst. Warum solltest du sie sonst ständig vorschieben, anstatt endlich damit in die Pötte zu kommen? Irgendwas hast du ja davon, dass du dich zurück hältst? Oder was würde denn mit der Freundin passieren, wenn du deine Träume leben würdest? Würde sie sich dann klein fühlen? Oder hast du Angst, dass sie sich klein fühlt? Das sind meine Gedanken – aber halte dich nicht dran fest – lebe deine Wahrheit.

Ich meine es gut mit dir!

Ja, das sagen viele. Aber es gibt eine kleine Regel, die ich für mich als gültig herausgefunden habe: “Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.” Bevor deine Freundin es gut mit dir meint, kann sie dich auch fragen, wie es für dich gut wäre. Oder wenn sie das nicht tut, kannst du es ihr auch sagen. Und zwar nicht hinterher – sondern bereits vorher – oder zumindest in der Situation. Sonst bist du immer in der Opferrolle, in der Rolle der Hilflosen. Und da solltest du ganz schleunigst raus. Denn dort wirst du versauern. Im wahrsten Sinne des Wortes. Sie wolle sich einbringen ist nochmal ein Unterschied zu dem wie du es wahrnimmst. Aus deiner Sicht übernimmt sie ständig das Regiment. Jetzt weiss ich nicht, ist es nur deine Wahrnehmung – es kann ja auch immer noch eine Wahrnehmungsverzerrung sein…? Oder ist es tatsächlich so, dass die Freundin alles bestimmt? Dann wird es aber ganz schnell Zeit, dass du dich eben auch einbringst.

Wie kannst du das konkret umsetzen?

Nun wird aus einem Fisch kein Widder. Du schreibst mir in welchem Zeichen eure Sonne steht. Wenn du eine Fische-Sonne hast, dann kann es sein, dass du dich eher versteckst oder einfach langsamer bist als andere, vielleicht so ein Spätzünder. Und die Freundin mit ihrer Widder-Sonne, überlegt hingegen nicht lange, sie tut einfach. Die ganze Misere kann also auch einfach dadurch entstehen, dass ihr ganz unterschiedlich seid von eurem Wesen. Aber auch dann kann eine Fischgeborene immer noch lernen, sich nicht dominieren zu lassen. Du kannst die ganzen Situationen, die du gerne anders hättest, erstmal sammeln. Schreibe dir dann auf, wie du es gerne anders hättest. Überlege dir vorher, wie du das kommunizieren möchtest. Wenn du bestimmte Sätze schon parat hast, dann fällt es dir in der Situation später viel leichter. Und dann sagst du beim Kochen zum Beispiel: “Heute mache ich das.” Oder du sagst: “Ich kann das doch viel besser.” Oder: “Das ist ja sowieso mein Spezialgebiet und es geht mir ganz leicht von der Hand, das ist meine Aufgabe.” Und auf jeden Fall wirst du sagen: “Ich mag nicht mehr blöd in der Gegend rumstehen und auf dich warten. Wenn du das nächste Mal nicht pünktlich kommst, dann… ” Du lässt dir auch nicht mehr das Wort abschneiden. Wenn sie das macht, dann sprichst du ein klein wenig lauter einfach weiter. Unbeirrbar. Lasse dich nicht zum Opfer machen, verhalte dich nicht weiter wie ein Opfer. Zum Glück seid ihr ja in einer Freundschaft – und nicht in einer Feindschaft. Und da kannst du das einfach ausprobieren.

Hole dir deine Kraft zurück

Du schreibst auch: “Ich fühle mich benutzt und irgendwie mißbraucht.” Das zeigt mir, dass du hier nicht mit deinen Gefühlen verbunden bist. Deshalb hast du da auch keine Kraft. Denn unsere Energie und unser Selbstbewusstsein steckt in unseren Gefühlen. Deshalb frage ich dich: “Wie fühlst du dich, wenn sie dich benutzt und für ihre Zwecke gebraucht?” Wirst du traurig? Oder wütend? Spüre nach. Und genau hinter diesen Gefühlen steckt deine Kraft. Spüre da hinein. Denn wenn du weiter vor diesen Gefühle davonläufst, dann wirst du dich weiter von ihr benutzen und für ihre Zwecke gebrauchen lassen. Du wirst dann weiter das Opfer sein. Aber das bist du nicht. Dazu hast du schon viel zu viel Kraft entwickelt. Und damit machst du jetzt einfach weiter. Du gehst weiter deinen Weg. Wenn du deine Wahrheit lebst, dann bist du nicht gegen deine Freundin. Viel eher trägst du dann dazu bei, dass ihr beide etwas gemeinsames gestalten könnt. Sei endlich Mitgestalterin von eurer Freundschaft. Nur so wird sie auf Dauer wirklich Bestand haben können. Wenn du weiter wütend auf sie bist und ihr das nichtmal mitteilst – dann wird diese Wut euch eines Tages auseinander sprengen. Lasse deine Gefühle den Kitt sein, der euch verbindet – und nicht das Dynamit, das euch auseinander sprengt. Und eines Tages werdet ihr hoffentlich drüber lachen können und euch freuen, welche Erfahrungen ihr schon gemeinsam machen durftet.

Ein Schutzmechanismus, der dir nicht bewusst ist?

Ganz wichtig ist mir: Es könnte sein, du steckst in einer alten Dynamik deines Nervensystems fest. Denn in der Interaktion mit dominanten Menschen passiert es häufig, dass das Nervensystem in Dissoziation geht, also in Abspaltung. Vielleicht kennst du das: Du bist im Gespräch mit jemandem und merkst plötzlich, dass du gar nicht mehr anwesend bist, sondern eher in deiner Innenwelt abtauchst. Ich kenne diesen Automatismus, diesen Schutzmechanismus auch. Ich bin in diesen Fällen oft einfach in mein Mobiltelefon abgetaucht. Als mir das klar wurde, konnte ich mein Verhalten einfach ändern – vorher war mir nichtmal klar was ich da mache. Wichtig ist also erstmal: Beobachte dich weise. Und diese Beobachtung kann die Grundlage für deine Veränderung sein. Oder du nimmst diese Beobachtung und bittest jemanden um Hilfe.

Was könnte dahinter stecken?

Und wenn du Hilfe brauchst, diese Blockade zu überwinden, dann melde dich gerne bei mir. Ich kann mir vorstellen, dass du gelernt hast, dich zurück zu nehmen oder vielleicht durch starke Glaubenssätze (zum Beispiel: “Ich habe es nicht verdient”, “Ich bin gefährlich”, “Ich bin schuldig”) blockiert bist. Im Grunde sind das gar keine Blockaden in dem Sinne – es sind einfach Schutzmechanismen, die dein Nervensystem in früheren Erlebnissen gelernt hat. Das könnten Erfahrungen gewesen sein, bei denen du ganz starke Gefühle erleben musstest. Diese Erlebnisse können sogar pränatal geschehen sein. Wenn das aufgelöst ist, dann fällt es dir leichter, für dich einzustehen und mit dominanten Menschen dein Leben zu gestalten. Ganz wichtig ist bei diesem Thema vor allem, dass du dich an jemanden wendest, der sich mit dem Nervensystem wirklich auskennt.

Und wohin führt das dann?

Noch viel wichtiger als die Frage was dahinter stecken könnte ist die Frage: Was ist dein Ziel? Ich kann hier viel schreiben, ich kann hier viel sagen. Die entscheidende Frage ist: Was möchtest du denn? Magst du die Freundschaft pflegen? Magst du sie weiterführen? Oder magst du dich verabschieden? Ich mag dich anstiften, erstmal zu testen, was sich verändert, wenn du aktiv in deine Stärke gehst. Denn du brauchst keine Blockaden zu lösen –  es ist auch so möglich, dass du voller Kraft aus der Opferrolle heraustrittst, liebe Simona. Und das wünsche ich dir. Ich wünsche dir, dass du mit deiner Freundin eine liebevolle Beziehung auf Augenhöhe führen kannst. Und aus meiner Einschätzung brauchst du nicht mit ihr zu sprechen – denn der Hebel, mit dem du das verändern kannst, liegt nicht bei ihr – sondern in deinem eigenen Kopf, in deinem eigenen Herzen, bei deinen eigenen Gefühlen. Und das ist auch der Hebel für ein immer stärkeres Selbstbewusstsein.

Magst du hier weiterlesen?

Hilfe, ich möchte am liebsten nicht mehr da sein.

Oder den Podcast dazu hören – oder einen anderen?

#55 B – Hilfe, ich will gar nicht mehr da sein.

#53 – Ich stelle mich der Angst – warum ist sie immer noch da?

Und hier kannst du diesen Podcast auch im Blog lesen

Hilfe, wie komme ich im Schatten meiner dominanten Freundin in meine Kraft?