Lange wusste ich nicht, wie sich das nennt, was mich oft belastete. Heute kenne ich den Nammen: Impostor Syndrom. Aber lasse mich dir erstmal eine kurze Geschichte erzählen. Denn daran erkennst du am besten, was es ist, worum es mir in diesem Beitrag geht.

Was ist, wenn ich auffliege?

Ich sitze im Kreis mit anderen Kollegen im Selbsterfahrungsseminar. Bevor ich an der Reihe bin, meldet sich eine Frau, die vor einigen Monaten in Rente gegangen ist. “Was mich am meisten belastete, waren diese Gedanken, dass jemand irgendwann draufkommen könnte, dass ich eigentlich gar nichts kann. Ich weiss ja, dass es nicht so ist – aber diese Gedanken waren so stark. Nach meiner Pensionierung war ich sehr froh, dass ich tatsächlich nicht aufgeflogen bin.” Lachen von allen Anwesenden lies sie aufblicken. Sie war in diesem Moment wieder vollkommen davon überzeugt, dass sie eine Hochstaplerin war, die ständig das Grundgefühl hatte: “Was ist, wenn ich auffliege?” Und genauso geht es auch vielen anderen Frauen und Männern. Vielleicht geht es dir auch so? Vielleicht leidest auch du unter dem Impostor Syndrom?

Was ist das Impostor Syndrom?

Die Übersetzung von engl. Impostor ist Hochstapler, Betrüger. Und so ist das Impostor Syndrom das Hochstapler Syndrom. Es beschreibt das Erleben von vielen Menschen, die ihre eigenen Fähigkeiten massiv bezweifeln, obwohl sie wissen, dass sie diese Fähigkeiten und dieses Wissen besitzen, das sie anzweifeln. Die meisten sind sich jedoch dessen bewusst, dass sie darunter leiden, dass ihre Wahrnehmung verzerrt ist. Jedoch gibt es immer wieder einzelne Menschen, bei denen dieses Syndrom paranoide Ausprägung hat. Diese wenigen Menschen versuchen nicht, diese Wahrnehmung zu verändern, damit ihre Fähigkeiten auch zweifelhaft als hilfreich erlebt werden. Nein, sie strengen sich an, dass niemand merkt, dass sie eigentlich gar nichts können. Und dabei geht es beim Imposter Syndrom nicht um die Menschen, die tatsächlich Hochstapler sind – weil sie eben nichts können und ihre Fähigkeiten nur vortäuschen. Vom Hochstapler Syndrom sind diejenigen Menschen betroffen, die Fähigkeiten und Wissen besitzen, von dem sie überzeugt sind, dass es fehlt und dass sie es anderen nur vortäuschen.

Wie verbreitet ist das Hochstapler Syndrom?

Es gibt Studien, die zeigen, dass etwa 70 Prozent aller Menschen vom Impostor Syndrom betroffen sind. Zunächst wurden in Studien als Versuchspersonen ausschließlich Frauen ausgewählt. Deshalb vermuteten Forscher zunächst, dass es vor allem ein Phänomen bei Frauen darstellt. Heute wissen Wissenschaftler jedoch, dass das Impostor Syndrom Männer wie Frauen gleichermaßen betrifft. Das Phänomen stellt keine Diagnose von Krankheitswert dar, aber es ist doch so verbreitet, dass es sogar seinen Platz bei Wikipedia ergattert hat.

Impostor Syndrom – ich war auch betroffen

Auch das Impostor Syndrom kenne ich aus eigener Betroffenheit. Mir ist es sehr vertraut, wie es sich anfühlt, zu erwarten, mit meiner Arbeit nicht wirksam zu sein. Und das war noch so bis vor gar nicht allzu langer Zeit. Dabei war ich schon recht erfolgreich und wusste auch um meine Fähigkeiten. Bei mir war das weniger eine Frage, die ich mir bewusst stellte. Es war auch keine Frage, die ich mir während des Tages irgendwann beantwortete. Es war vielmehr ein Gefühl, das meinen Alltag überschattete. Manchmal war es da – und manchmal nicht. Und lange Zeit war es so normal, dass ich es überhaupt nicht in Zweifel gezogen habe – ich habe es mir einfach geglaubt, es war meine Wirklichkeit. Und so hat es lange, lange mein Selbstbewusstsein torpediert. Denn das war natürlich eine Auswirkung. Solange ich nicht an meine Fähigkeiten glaubte, hatte ich viel weniger Selbstwirksamkeit und das ist nicht sehr gut fürs Selbstbewusstsein und auch nicht für den Selbstwert.

Lies weiter übers Impostor Syndrom

Gerne teile ich mit dir, warum sich mein Erleben bezüglich meiner Fähigkeiten jetzt verändert hat. Lies in meinem nächsten Beitrag über die möglichen Ursachen und wie du das Impostor Syndrom überwinden kannst.

Hast du dich wieder erkannt? Hast du auch manchmal dieses Gefühl: “Was ist, wenn ich auffliege?” Oder erkennst du jemanden, bei dem du den Eindruck hast, dass er von diesen Schatten ausgebremst wird? Und dieser Mensch liegt dir am Herzen? Dann gebe diesen Beitrag gerne an diesen Menschen weiter.

In dieser Podcastfolge geht es auch ums Impostor Syndrom:

#78 – Wie Bloggen dein Selbstbewusstsein stärkt – Interview mit Judith Sympatexter Peters