Was machte meinen Oktober im Jahr 2021 aus? Diesen Monat habe ich was erlebt, was viele sagen und ich kann es in dem Zitat: “Wie innen so außen.” zusammenfassen. Was war los? Dieser Monat war sowohl für meine Business, als auch für mich lebensverändernd. Was ist passiert? Ich habe endlich das Thema für meine psychologische Tätigkeit gefunden, mit dem ich nach außen gehe. Und bei mir hat sich körperlich ein richtig tiefes Trauma gelöst. Es passt wie Zahnräder ineinander und beides hat mich richtig überrascht. Aber der Reihe nach.

Wir sind in Frankreich gut angekommen.

Catsitting

Leben als Catsitterin

Nachdem wir seit Mitte August bereits in Frankreich für Housesitting sind, haben mein Mann und ich beide endlich das Gefühl, so richtig hier gelandet zu sein. Zu Beginn waren wir für 2,5 Wochen in Aniane – das ist nicht weit von Montpellier entfernt. Dort gab es zwei Katzen. Ja, das war nicht im Oktober, aber irgendwie gehört das ja auch noch dazu. Seit Anfang September sind wir jetzt hier zwischen Toulouse und Carcassonne. Wir leben in der Pampa – fast alleine. Also nicht wirklich denn es gibt wirklich vieles Getier hier draußen. Zuallererst natürlich “unser” Hund: Wooster, ein wunderschöner Golden Retriever mit einem ganz feinen Charakter. Der Nachteil, wenn wir so weit draußen leben ist für uns beide ganz eindeutig: In Aniane lebten wir in einem kleinen Städtchen mitten unter den Franzosen. Hier kommt keiner von sich aus vorbei. Außer der Feuerwehr wegen den Hornissen, dem Bauern um die Ecke der uns für einen Kaffee eingeladen hat, Nigel dem “Schrauber” (der alles reparieren kann), Arabella der Nachbarin (die uns die besten “Walks” mit dem Hund gezeigt hat), dem Postboten (der manchmal ein Paket bringt) und unserem Besuch. Ja genau, wir hatten für zweieinhalb Wochen Besuch. Du siehst, ich leide eindeutig unter dem Impostersyndrom. Judith hat recht, der Monatsrückblick hilft, das zu überwinden. Denn – so alleine sind wir hier draußen doch nicht wie es mir manchmal vorkommt.

Meine Lebensveränderung

Mirepoix Kathedrale

Die bunte Kathedrale von innen

Kathedrale von Mirepoix

Kathedrale von Mirepoix

Das Wort “lebensverändernd” sollte einem nicht so leicht von den Lippen kommen, jetzt fällt mir auf: Ich schreibe ich schon wieder im imperativ. Nein, das Wort lebensverändernd möchte ich wirklich nur dort verwenden wo es auch angebracht ist – und heute ist es das. Im Oktober hat sich wirklich ganz nachhaltig mein Leben verändert. Wer mich kennt, der weiss, ich kann nicht alles essen. Und damit war ich die letzten Jahre echt akribisch genau. Was passiert, wenn ich was “Falsches” erwische? Ich bekam Schmerzen oder zumindest so große Verdauungsbeschwerden (Details möchtest du nicht wissen), dass ich gerne jedes einzelne Nahrungsmittel akribisch untersuchte bevor ich es in meinen Mund steckte. Du siehst, ich schreibe schon in der Vergangenheitsform. Denn es ist vorbei. Ja, es ist vorbei. Ich stand eines morgens auf, nachdem ich einen sehr bewegenden Traum hatte. Den erzähle ich später. Und morgens stand ich auf, mein Bauch war flach. Das konnte ich erstmal gar nicht glauben. Denn der war seit fast 20 Jahren immer aufgebläht. Alleine an meinem Bauch merkte ich, dass etwas ganz anders ist als vorher. So wie ich mich jetzt beim Aufstehen fühlte, fühlte ich mich sonnst nur während ich fastete. Ja, das war für mich nur möglich, wenn ich nichts gegessen habe. Und das kann ich ja nicht immer machen. Sobald ich also was gegessen hatte, fühlte ich mich irgendwie energielos, mit weniger Antrieb, an manchen Tagen sogar depressiv und mit dem Falschen Essen war mit mir gar nichts mehr anzufangen. Im schlimmsten Fall hatte ich einen Migräne-Anfall. Mein Alltag war anstrengend. Und das ist jetzt vorbei. Es ist schon ein paar Tage her – es ist nachhaltig und ich konnte es zuerst selber kaum glauben: Ich kann wieder alles essen! Ja, ich brauche nicht mehr meine Nahrung aufs Kleinste auswählen und nur das essen, was mir meine Energie bewahrt.

Ein lebensverändernder Traum

Kathedrale von Mirepoix

Was für Farben… zwar ausgeblichen… aber schön!

Kathedrale von Limoux

Kathedrale von Limoux

Jetzt bin ich aber nicht einfach nur eingeschlafen und wieder aufgewacht und alles war anders. Auch wenn es so scheint. Dazwischen ist schon noch was passiert. Ich glaube auch, dass zwischen dem Traum und dem schönen Erwachen einige Tage dazwischen lagen. Ich kann mich schon gar nicht mehr so ganz genau erinnern, ich bin schon in der neuen Wirklichkeit angekommen. Ganz oben habe ich es ja sowieso schon verraten – der entscheidende Moment war, dass sich ein tiefes Trauma gelöst hat. “Was ist passiert?”, fragst du dich vielleicht? Als erstes möchte ich dir den Traum erzählen. Ich habe wie durch eine trübe Scheibe aus meinen Augen gesehen, wie ein Säugling von einem Möbelstück stürzt. Es dauerte endlos lange, obwohl ich nur den Moment im Traum bezeugen konnte, als das Kind zu fallen begann, dann war der Traum zu Ende. Und was in diesem kurzen Augenblick alles in mir geschah war unglaublich. Ich war erschrocken, konnte nicht glauben was da geschah, wollte es aufhalten, wollte schreien – aber ich konnte nicht. Ich blieb stumm. Es gibt ein Buch von einem Traumatherapeuten, das heisst: “Verkörperter Schrecken” (*). Und obwohl ich dieses Ereignis niemals als solches bezeichnet hätte, erlebte ich diesen einen Moment genauso. Es war ein riesiger Schrecken, der plötzlich in meinem Körper gefangen war, der plötzlich in meinem Hals gefangen war. Ich konnte den Schrecken nicht ausdrücken, ich konnte ihn nicht hinausschreien – er blieb stecken, in meinem Hals.

Welche Folge hat so ein Brocken, der im Hals steckt?

Wie in der Savanne

Wie in der Savanne… oder?

Bitte gießen

“Bitte gießen!”

Plötzlich machen so viele Dinge einen Sinn. Plötzlich verstehe ich, wie ich als Kind war. Es gab Situationen, da saß ich auf der Treppe, sichtlich enttäuscht, sichtlich unzufrieden mit mir und der Welt. Und ich habe keine Wort herausgebracht, was nicht stimmt.  Ich konnte es nicht in Worte fassen. Ich wurde sogar regelmäßig dafür ausgelacht. Keiner konnte sich erklären, warum ich kein Wort herausbrachte wenn ich im Streß war – ich konnte ja wunderbar reden. Während ich im Praktikum war ging es mir ebenso. Es war in der Abschlussklasse der Realschule und ich saß in Münsingen in einem Büro mit Technischen Zeichnern. Ich schaffte es nicht, mit ihnen nur ein einziges Wort zu reden. Ich fühlte mich nicht wohl, sie machten sich schon über mich lustig. Dabei hätte ich einfach jemanden gebraucht, der zu mir herkommt, mich beruhigt und dann wäre da schon was herausgekommen. Aber wer ahnt denn sowas? Und viele konnten nicht verstehen, warum ich einfach nicht richtig meinen Weg gehen konnte, warum ich einfach nicht voran kam – auch wenn ich doch wirklich alle Werkzeuge hatte, die ich dafür brauchte. Am allerwenigsten habe ich es selbst verstanden. Aber jetzt verstehe ich. Ich verstehe auch, warum ich plötzlich wie aus heiterem Himmel mein Thema weiss, mit dem ich nach außen gehen werde. Jetzt ist auch das klar.

Das Thema mit dem ich nach außen gehe

Wo es mir klar wurde, habe ich schon wieder vergessen. Aber mein Thema steht jetzt: Selbstbewusstsein für Frauen. Es macht mich deswegen so glücklich, damit nach außen zu gehen, da es all die Themen, für die ich bisher stand irgendwie in einer Kategorie vereint. Und doch ist es eine ganz bestimmte Vertiefung unter der ich meine Vielfältigkeit unter ein Dach packen kann.

Lebensveränderung meiner Kundinnen

Im Cafe in Frankreich

Im Café in Frankreich

Kaffeepause

Kaffeepause

Es ist nicht das erste Mal, dass ich das rückgemeldet bekomme. In der letzten Woche flatterte mir eine Email in den virtuellen Briefkasten: “Ist dir bewusst, dass die ein oder andere Stunde mit dir eine Veränderung für ein ganzes Leben bedeuten kann? Eine einzige Stunde mit dir, kann eine Wendung im Narrativ einer anderen Person bedeuten. Gerne verfasse ich dir auch mal ein Testimonial für deine Webseite wenn du das möchtest, denn ich bin überzeugt, dass dein Impact in dieser Welt bereits so groß ist und auch noch sichtbarer werden darf und kann.” Sowas lese ich natürlich sehr gerne, es erfüllt mich mit Freude. Denn genau das möchte ich: Die Welt verändern. Ich möchte dazu beitragen, dass Menschen ein besseres Leben haben, dass vor allem Frauen eine bessere Beziehung zu sich und anderen haben. Sie spüren diesen Schmerz zwar anders, benennen ihn anders. Aber genau das ist mein Ziel. Und jetzt mache ich mich mal wieder dran, dieser Spur zu folgen.

Was ist sonst noch passiert in Frankreich im “Busch”?

Natürlich leben wir nicht im Busch – aber draußen in der Pampa, auf dem weiten Feld. Ich genieße ausgedehnte Spaziergänge mit “unserem” Hund, dem es sichtlich gut geht. Er sei bekannt dafür, dass er nicht so gut fressen würde, wenn die Besitzer nicht da seien. Bei uns frißt er wunderbar. Er wurde uns vorgestellt als ein Hund mit Eßstörung. Wir freuen uns sehr, dass es bei uns keine große Rolle spielt. Unser Ausflüge in die französischen Städte und Örtchen haben wir auch genossen. Toulouse ist eine wundervolle Stadt. Die Kathedralen von Mirepoix und Limoux haben es mir ganz besonders angetan. Wie kann man nur solche schönen Kirchen bauen? Die Verzierungen im Inneren kenne ich gar nicht, das ist in Deutschland gar nicht so üblich. Natürlich genieße ich auch den ein oder anderen Kaffee und esse ein Croissant dazu, wie ich das liiiiiebe!

Inspiriert hat mich für diesen Blogartikel übrigens Judith Peters und ihren Monatsrückblick vom Oktober findest du auf ihrer Seite – und dort (ganz unten) den Link zu ganz vielen anderen Bloggerinnen.

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Warum ich nicht mit früheren Leben arbeite

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#48 – Wie kann ich Blasenentzündungen vorbeugen?

#47 – Hilfe, wie werde ich erwachsen?

 

Verkörperter Schrecken Bessel van der KolkBuchtipp: Verkörperter Schrecken (Bessel van der Kolk, *)

 

 

 

 

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Bilder: Shivani Vogt