Schon ganz früh wurde ich von meiner Umgebung neugierig gemacht darauf, was es mit den Nerven auf sich hat…

Unser Nervensystem hat 3 Fähigkeiten:

  1. Es kann in Beziehung sein
  2. Es kann flüchten oder kämpfen
  3. Es kann erstarren oder sich vom Körper abspalten.

Es ist eine ganz neue Form von Streß-Modell, das ihnen Orientierung geben kann wo sie stehen und wie sie da hinkommen wo sie hinwollen. Ich hab’s getestet.

Und hier die Textversion für diejenigen, die lieber Lesen als Hören.

Heute erzähle ich etwas über die Fähigkeiten von unserem Nervensystem.

Als Erstes möchte ich jedoch auf etwas anderes eingehen.

Wenn ich gefragt werde: „Shivani was machst du denn beruflich?“  Und meine Antwort dann, Psychologin lautet, dann habe ich darauf erfahrungsgemäß zwei Reaktionen. Entweder mein Gegenüber verstummt oder derjenige wird sehr, sehr neugierig und ist sehr, sehr interessiert an dem, was ich mache. Eine andere Reaktion habe ich bisher kaum erlebt. Erst gestern ist es mir wieder passiert.

Beim Essen. Nach der Frage zu meinem Beruf wurde mein Gegenüber erstaunlich ruhig und das Gespräch hat sich gewendet. Das ist dann immer als hätte ich im zweiten Semester gelernt Gedanken zu lesen, alles zu durchschauen. Es wird unangenehm still in der Runde und die Gespräche gehen in eine andere Richtung. Zum einen, ist mir das manchmal auch recht, aber zum anderen ist es auch ein bisschen schade, denn ich finde es sehr spannend wie unser Nervensystem funktioniert.

Meine Faszination dafür, wurde schon ganz früh geweckt und ich weiß nicht, ob das bei Ihnen auch so war.

Wenn ich früher zu Hause bemerkte, dass hinter vorgehaltener Hand über irgendjemanden gesprochen wurde und ich nachfragte, bekam ich meistens folgende Antwort: “Die oder der hat es an den Nerven“. Schon lange war mir diese Krankheit ein Rätsel. Ich konnte mir nicht erklären, was das für eine Krankheit sein sollte. Ich selber hab Fieber erlebt, Durchfall, irgendwelche Masern, Röteln Windpocken. Jedoch an den Nerven hatte ich es bisher einfach noch nicht erlebt. Ich wusste nicht, wie ist das. Vielleicht war diese Antwort von früher, “Der oder die hat es an den Nerven” auch dieses Zünglein an der Waage, was mich letztlich hat entscheiden lassen, dass ich Psychologie studiert habe.

Wer weiß? Auf jeden Fall wird es für mich immer klarer, was sich da abspielt. Für mich ist es immer noch faszinierend das weiter zu erforschen und mir wird immer noch klarer, irgendwas muss doch dran sein, dass es darum ein Geheimnis gibt. Ich habe einige Jahre in der Klinik gearbeitet und ich habe mich immer wieder gefragt: “Warum bekommt ein Patient jeden Arztbrief mit nach Hause?” Egal was operiert wird, egal an welcher Stelle, den Arztbrief kann er haben. Jedoch nicht den, der in der Psychiatrie geschrieben wird.

Sobald es psychisch wird, Psychiatrie oder Psychosomatik, der Arztbrief, ist irgendwie geheim. Warum? Auf alle Krankheiten kann man stolz sein, also auch auf diejenigen für die man in die Psychiatrie oder in die Psychosomatik kommt. Für die Krankheit, in die man in eine psychologische, psychiatrische Behandlung muss, ist man nicht stolz. Warum? Ich verstehe, dass das allen Angst machen kann, klar. Doch mein Forschergeist der war angetriggert und ich kann einfach nicht aufhören dem auf den Grund zu gehen.

Was steckt dahinter? Hinter dieser Aussage, “Der hat es an den Nerven”?

Deshalb möchte ich das Nervensystem ein bisschen genauer anschauen. Worüber sprechen wir denn da genau. Das Nervensystem kann man aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. So habe ich das gelernt. Zum einen gibt es ein zentrales Nervensystem und einen peripheres Nervensystems. Das zentrale Nervensystem ist alles das, was im Gehirn, also innerhalb der Hirnhäute ist. Das Gehirn, das Rückenmark. Das periphere Nervensystem ist alles das, was außerhalb der Rücken, der Hirnhäute ist. Also, alle Nerven die von den Hirnhäuten aus Richtung Arme, Beine, Rumpf gehen.

Dann kann man das Nervensystem noch wie folgt betrachten. Die Einteilung, die wahrscheinlich jeder gelernt hat, ist die Einteilung in das autonome und willentliche Nervensystem. Das autonome Nervensystem, das von alleine funktioniert, das man willentlich nicht beeinflussen kann. Das willentliche Nervensystem, in dem ich den Arm heben kann, weil ich eine Entscheidung treffe. Im Gegensatz dazu die Verdauung, die automatisch abläuft, bei der ich willentlich keinen Einfluss darauf habe.

Beim autonomen Nervensystem wird vor allem unterschieden, in das sympathische Nervensystem und das parasympathische Nervensystem. Das ist das, was verantwortlich ist für ein Phänomen, was jeder täglich benutzt. Ein Wort, das jeder täglich in den Mund nimmt: “Ich habe Stress!” Dazu gibt es ganz viel Stressforschung. Ich habe schon ganz viele Schüler unterrichtet und ihnen Stressmanagement beigebracht. In diesem Stressmanagement gibt es diverse Begriffe von Stress. Stress der gut ist für unser System, Stress der nicht gut ist für unser System und es gibt ganz viele Stresstheorien. Jedoch gibt es keine Stresstheorie, die mir bisher erklären konnte, was denn der Unterschied zwischen gutem Stress und schlechtem Stress ist. Genau hier mag ich gerne ein bisschen dahinter schauen, und zwar habe ich einen Psychiater gefunden.

Dieser Psychiater heißt Steven Porges, er ist Amerikaner.

Er ist übrigens auch der Ehemann von Susan Carter. Das ist wiederum die Forscherin, die das Oxytocin entdeckt hat beziehungsweise erforscht hat. Dieses Bindungshormon, dieses Hormon, das dafür verantwortlich ist, dass wir Beziehungen als Bereicherung, als Belohnung erleben.

Dieser Mann ist mittlerweile in Pension. Der Mann hat etwas entdeckt, was ich persönlich genial finde. Es gibt von ihm eine Stresstheorie, die nennt sich Polyvagaltheroie. Dies hört sich erstmal stinklangweilig an, ist aber total spannend. Diese Theorie besagt, dass unser Nervensystem genau drei Fähigkeiten hat und mit diesen drei Fähigkeiten kann man alles erklären. Die Polyvagaltheroie kommt allem auf den Grund, man kann plötzlich verstehen, warum man die Arztbriefe nicht rausrückt. Sie lässt einen auch verstehen, warum jemand nicht stolz auf so eine Erkrankung ist. Warum kann man darauf nicht stolz sein? Für mich hat sich durch diese Theorie eine Welt aufgetan und das möchte ich Ihnen jetzt weitergeben.

Steven Porges sagt folgendes: “Eine Fähigkeit die unser Nervensystem hat” – Ich nenne jetzt mal die, die wir hier gar nicht so sehr besprechen werden. „Das ist eine Notfall Fähigkeit“  und zwar kann unser Nervensystem in Schock gehen in eine Starre verfallen oder sich vom Körper abspalten. So, dass wir vollkommen handlungsunfähig sind. Das ist nötig, wenn wir in Lebensgefahr sind, wenn unser System durch Tod bedroht ist. Darüber sprechen wir heute nicht. Es ist einfach nur diese dritte Fähigkeit, die wir haben. Die wichtigste Fähigkeit, ist die Fähigkeit in Beziehung zu gehen. Es ist die Fähigkeit Empathie zu haben, sich einzufühlen, seine eigenen Gefühle zu spüren. Es gehört auch dazu, wenn ich einen anderen sehe mich in denjenigen einzufühlen, zu spüren, der ist traurig und zu spüren was derjenige braucht.

Genau in diesem Modus wollen wir eigentlich alle sein. Hier ist Selbstbewusstsein da. Hier ist Lebensfreude da, ist innere Ruhe da. Wir haben Zugang zu unseren Bedürfnissen. Wir wissen was wir wollen, da ist Wertschätzung, ich habe gesunde Grenzen. Ich kann Nein sagen. Rund um mich herum ist es möglich was gemeinsam aufzubauen, was auf die Beine zu stellen, das, was ich jeden Tag mache, das trägt Früchte. Mir geht’s gut. So und jetzt sagt Steven Porges, dass wenn diesem Nervensystem, das Beziehung kann. Also Beziehung zu sich und anderen, wenn dem plötzlich Sicherheit oder Vertrauen verloren geht, dann schnellt das um in einen anderen Modus. Das ist die zweite Fähigkeit. Kampf oder Flucht. Das heißt, wenn ich im Leben in eine Situation komme, in der, sagen wir mal der Bär vor mir steht, dann muss mein System das Erkennen, dass hier Gefahr ist und muss fähig sein entweder zu kämpfen oder zu flüchten. Natürlich wird jetzt die Empathie ausgeschaltet, weil wenn der Bär vor mir steht und ich mit diesem Mitgefühl habe, dass der Bär Hunger hat, dann frisst er mich.

Dabei werden auch noch mehr Fähigkeiten einfach abgeschaltet. Wenn ich jetzt über einen Gartenzaun will, weil ich fliehen muss und ich halte an wegen eines kleinen Kratzers, dann werde ich vielleicht gefressen. Das heißt, meine Wahrnehmung, meine Körperwahrnehmung wird sich verändern. Ich werde Gefühle, meinen Körper nicht mehr deutlich spüren. Ich werde auch keine Grenzen wahrnehmen, also den Gartenzaun den gibt es zwar, aber nichts wie rüber.

Mein Ziel ist woanders. Mein Ziel ist nicht die Grenzen einzuhalten, sondern auf und davon oder nichts wie auf ihn drauf, nichts wie kämpfen. Für all das, dass ich kämpfen kann, brauche ich keine Gefühle. Die Gefühle werden ersetzt durch Vorstellungen und dann fange ich vielleicht an nicht mehr zu sagen: “Ich bin traurig”, sondern ich werde dann sagen: “Ich fühle mich ausgeschlossen”. Was jedoch gar kein Gefühl ist. Sondern das ist eine Beschreibung davon, was mit mir passiert. Kampf und Flucht, das Leben wird anstrengend.

Auch meine Sprache wird eine kämpferische. Anstatt zu sagen, was ich will, mache ich Vorwürfe. Fange an mit Worten zu kämpfen. Ich werde unzufrieden. Dadurch kann ich nicht mehr spüren, dass ich dazugehöre. Ich bin isoliert. Ich bin im Ich-Modus. Es ist nicht schlimm, es ist einfach nur dieser Modus, in den ich geraten bin. Dadurch, dass das Gefühl von Sicherheit und Vertrauen verloren gegangen sind und mein Körper erkannt hat, „Hey, jetzt geht es um das Überleben“.

In dem Moment, in dem ich isoliert bin, strenge ich mich an, um dazuzugehören. Es wird aber nicht gehen, weil mein Körper in diesem Modus ist. Ich manipuliere andere. Ich ersetze Selbstbewusstsein mit Macht. Ich werde anfangen, andere kleinzumachen, dass ich mich Wert fühle. Ich werde aber keinen Erfolg damit haben, weil ich keinen Zugang zu meinen Bedürfnissen habe. Ich bin nicht zufriedenzustellen. Ich werde gierig. Es gibt nichts was diesen Hunger, den ich habe stillen kann. Ich bin nicht zufriedenzustellen. Ich verstecke mich auch vor den anderen, weil diese nicht merken sollen, dass ich so böse bin. Dass ich andere niedermache, zeige ich nicht. Es ist meine Maske, ich bin freundlich, ich bin der beste Mensch der Welt, ich mache Dinge, die böse sind heimlich. Ich schaue, dass ich, weil ich ja keine Sicherheit habe, ganz viel Kontrolle habe. Kontrolle über andere, über mich, über meine Aufgaben. Ich benutze andere für meine Zwecke. Nicht, weil ich böse bin, sondern weil ich nur mich kenne, es gibt nur mich. Es ist ein anderer Modus. Es ist aus meiner Erfahrung gar nicht so wie denen immer unterstellt wird, sondern sie können nicht anders.

Sie spüren keine Grenzen. Sie sind dominant. Benutzen andere für ihre Zwecke. Manipulation und Gefühle gibt es nicht. Es gibt nur Kränkungswut und Angst. Nur die sieben Todsünden gibt es. Eifersucht, Gier, Neid und so weiter. Es gibt Schuldgefühle, Schamgefühle, welche gar keine echten Gefühle sind, sondern einfach nur das was an Empfindungen resultiert. Wenn ich mich in diesem Kampf-Flucht-Modus bewege und dann versuche soziale Beziehungen herzustellen, scheitere ich, weil es gar nicht möglich ist.

Im Beziehungsmodus kann etwas Früchte tragen, es ist möglich gemeinsam etwas aufzubauen. Im Kampf-Flucht-Modus ist alles zerstörerisch, zerrinnt mir alles unter den Händen, werde ich nichts gebacken bekommen, wird mir mein Leben unter den Händen zerrinnen, werde ich, wenn ich da drin bleibe, wirklich sterben. Zum Beispiel ist es daran spürbar, wer ständig in diesem Kampf-Flucht-Modus ist, dessen Nebennieren erschöpfen sich. Wenn jemand ständig diese Information bekommt, “Du bist in Gefahr„, “Kämpfe oder fliehe um dein Leben„, ist dort eine ständige Stressantwort im Körper. Diese ständigen Entzündungsprozesse, diese inneren Reparaturprozesse sind aktiv und Organe erschöpfen sich. Das ist die Konsequenz aus diesem Kampf-Flucht-Modus.

Ich mag das nicht verurteilen, sondern es ist eine Fähigkeit, die unser Körper hat und wichtig ist nur, dass wir wissen, dass es das gibt und dass es dienlich ist zu kämpfen oder zu flüchten, aber es ist nicht dienlich, wenn wir mit Menschen zusammenleben wollen.

Ich habe ganz ehrlich gesagt den Eindruck in unserer Gesellschaft geht so viel Sicherheit, geht so viel Vertrauen verloren und so viele Menschen verstecken sich hinter ihrer Maske ohne, dass sie sich dessen bewusst sind. Manche Menschen merken es, schämen sich, verstecken sich dahinter.

Allerdings wird nicht oder viel zu wenig das Wissen vermittelt: „Wie komme ich dann wieder raus?”

Wann ist es denn Zeit diesen Modus zu beenden und wie mache ich das?

Wie erkenne ich, dass ich ein Energieräuber bin?

Wie erkenne ich, dass ich einem Energieräuber gerade aufsitze?

Wie komme ich wieder raus?

Wie komme ich aus diesem Modus, der Energie kostet, in diesen anderen Modus, in dem ich Kraft habe?

Indem ich Zugang zum Selbstbewusstsein habe?

Indem ich meine Gefühle spüren kann und Zugang zu meinen Bedürfnissen habe?

Indem ich innere Ruhen für die Regeneration habe?

Indem ich gesunde Grenzen habe?

Indem ich mich abgrenzen kann?

Genau, wie komme ich da wieder rein?

Marshall Rosenberg der Begründer von der Gewaltfreien Kommunikation, welches ein riesen Kommunikationssystem ist, sagt: “Es ist eigentlich ganz einfach, doch es ist nicht leicht“, genauso ist es damit. Er hat zum Beispiel eine Lösung formuliert, wie man vom Kampf-Flucht-Modus, den er die Wolfssprache nennt. Der Wolf ist übrigens ein Tier, das ganz hohe soziale Fähigkeiten besitzt. Der Wolfkampf. Das war seine Assoziation. Der Wolf das gefährliche Tier. Ein Teil von dieser Wolfssprache ist zum Beispiel, wenn ich sage: „Ich fühle mich ausgeschlossen„. Wenn ich ein Gefühlswort für etwas verwende, was gar kein Gefühl ist.

Das heißt, derjenige der die Wolfssprache spricht, ist im Kampf-Flucht-Modus.

Derjenige ist in seiner Vorstellungswelt gefangen und muss irgendwie wieder in den Beziehungsmodus kommen.

Marshall Rosenberg empfiehlt hier, um zum Gefühl zu kommen, folgendes zu sagen: „Wenn Du merkst Du bist ausgeschlossen, wie fühlst Du dich dann?“

Hier geht es darum, dass derjenige gesehen wird. Wie geht es der Person? Damit diese wieder herauskommt aus diesem Modus, zurück in den Beziehungsmodus. In den Modus in dem Zugang da ist, zur Lebenskraft. Indem das Leben sich lebendig anfühlt. In den Modus, in dem all das da ist, was Menschen wichtig ist. Also wenn sehe, was es da draußen alles für Kurse gibt.

Es gibt Kurse, um die eigene Intuition zu schulen. Es gibt Kurse, um das Selbstbewusstsein zu stärken, Selbstliebe zu stärken, Lebensfreude zu etablieren, innere Ruhe zu etablieren, Fähigkeiten zu etablieren, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen, gemeinsam Freude zu haben, Sicherheit und Vertrauen zu schaffen.

Das heißt, alles, was Menschen wollen liegt, da drin und was wir oft tun ist in diesen Modus abzurutschen in dem wir kämpfen. Indem wir funktionieren, in dem alles zwar kontrollierbar ist, aber uns anstrengend.

Das Geheimnis ist, dass unser Unterbewusstsein diese Mechanismen, die wir irgendwann gelernt haben, wie die Grammatik und wiederholt diese Mechanismen wie ein Plattenspieler.

Solange keine andere Platte aufgelegt ist, solange die Nervenbahnen nicht anders verschaltet sind, wird auch keine andere Platte gespielt.

Das heißt, es geht darum neu zu lernen, wie ich aus dem Kampf-Flucht-Modus wieder in den Beziehungsmodus komme. Aus meiner Erfahrung muss ich gar nicht mehr vermitteln, sondern dann ist der Zugang zur Intuition da.

Dann ist der Zugang zum Bauchgefühl frei. Dann gehen die Menschen los und machen ihr eigenes Ding.

Was ich in meiner Begleitung anbieten kann ist, ihnen Unterstützung zu geben. Dass sie aus dem Kampf-Flucht-Modus rauskommen und wieder in den Beziehungsmodus kommen. Dass ihr Nervensystem hier fest verankert ist und mehr brauche ich Ihnen nicht zuzugeben. Mehr Unterstützung brauchen sie nicht, weil dann rennt das wie von alleine.

Auf eine Frage möchte ich noch eingehen.

Was denke ich, warum geben die Psychiater und psychologischen Psychotherapeuten ihre Arztbriefe nicht raus?

Wenn sich jemand im Kampf-Flucht-Modus befindet und ich würde demjenigen sagen, dass er eine psychische Erkrankung hat bzw. eine psychische Diagnose bekommt, dann ist er nicht im Beziehungssystem verankert, sondern im Kampf-Flucht-Modus.

Diese Person ist irgendwie in diesen Modus reingeraten und wenn diese Person dort drin ist, in seiner Vorstellungswelt, dann hat er keinen Zugang zu seinen Gefühlen.

So eine Vorstellung könnte zum Beispiel sein, dass alles perfekt sein muss. Wenn so jemand merkt, er ist eben nicht perfekt, dann ist er leicht kränkbar. Diese Kränkungswut ist eben ganz leicht aktivierbar und dieser Kränkungswut mag nicht jeder ausgeliefert sein.

Das ist das eine und das andere ist diese Einschränkung der Wahrnehmung.

Jemand der im Kampf-Flucht-Modus gelandet ist, hat einen Wahrnehmungstunnel, der einfach nicht so groß ist. Der sich von den anderen unterscheidet.

Ich mag das nicht werten. Der Kampf-Flucht-Modus hat seinen Sinn. Es ist nicht schlecht, dass es ihn gibt, sondern es ist nur wichtig zu wissen, wo bin ich und wo will ich eigentlich sein.

Es ist sinnvoll, dass dieser Arztbrief nicht herausgegeben wird, wenn man davon ausgeht, der andere ist in diesem Kampf-Flucht-Modus und ich bin dem ausgeliefert.

Das diese Person mich angreifen könnte, dafür, was ich über ihn schreibe. Ich bin der Kränkungswut ausgeliefert. Der andere ist im Projektionsmodus.

Ich kann auch darüber Projektion erklären, weil wenn ich nur Ich wahrnehmen kann, nicht den anderen, dann projiziere ich auch Ich nach außen.

Also, alles, was ich im Außen sehe, ist Ich. So kann man Projektionen ganz anders sehen. In dem Moment, in dem man verstanden hat, dass ich im Beziehungsmodus einfach einen anderen Wahrnehmungsmodus habe, als im Kampf-Flucht-Modus, dann kann man alle Phänomene, die andere erlebt haben, nachvollziehen. Das ist für mich so faszinierend.

Es gibt auch Kliniken die geben den Arztbrief heraus, in denen gibt es auch reflecting Team. Das heißt, das Team unterhält sich über die Patienten, während diejenigen dabei sind. Diese besprechen ihre Annahmen, ihre Theorien, ihre Hypothesen in Anwesenheit der Patienten und machen eben keinen geheimen Arztbrief, sondern machen da volle Transparenz.

Das ist in dem Fall möglich, in dem ich sehe, „Okay die sind in den Kampf-Flucht-Modus geraten, aber ich sehe das wahre Potenzial dahinter“. Ich sehe, was in dieser Person wirklich steckt und ich sehe auch, dass derjenige es schafft, dass derjenige wieder rauskommen kann. Die verurteilen diese Patienten nicht, dass diese in diesem Modus drin steckt, sondern sie sehen, dass derjenige es schaffen kann.

Der Patient hat alles, was er braucht und mit ein bisschen Sicherheit, mit ein bisschen Vertrauen kann er es schaffen. Okay, das ist jetzt vielleicht ein bisschen einfach formuliert.

So wie Marshall Rosenberg auch sagte, „Es ist ganz einfach, aber es ist nicht leicht„. Für manche dauert es Tage etwas zu verändern. Für manche dauert es Wochen, Monate. Es kann aber auch Jahre dauern. Ich halte es für möglich, wenn ein gesundes System da ist, das mir sagt: „Ich sehe dich, ich sehe, was in dir steckt und du kannst da rauskommen„, ist ganz viel möglich. Jetzt habe ich den Faden verloren. Im Podcast mitten im Podcast. Also aus meiner Sicht ist es möglich einen Arztbrief offen zu formulieren, aber eben, nur wenn jemand diese Haltung hat, „Ich sehe du bist da hineingeraten und ich sehe dein Potenzial und ich weiß du schaffst es auch wieder heraus„. Genau mit diesem Modell arbeite ich. Dieses Modell mache ich auch transparent in meinen Begleitungen. Ich werde das auch zur Verfügung stellen, dass es für meine Patienten online zugänglich ist. Dieses Modell ist auch die Grundlage für die Interpretation von Schneewittchen bei den sieben Zwergen. Das ist aber Inhalt der nächsten Folge und darauf freue ich mich schon.

Und ich freue mich auf einen Kommentar und natürlich wenn Sie diese Folge teilen.