Es ist mit unangenehmen Gedanken, Empfindungen oder Bildern verbunden, dich mit deiner Vergangenheit zu beschäftigen. Natürlich auch mit schönen Gedanken, Empfindungen oder Bildern. Es kann ein ganz schöne verwirrend sein, es kann ein Dschungel sein bei der Frage: Wann ist es angesagt, den Blick zurück oder den Blick nach vorne zu richten?

Welchen Sinn sollte es machen, dass du dich mit der Vergangenheit beschäftigst?

Wenn du dich schon länger mit Persönlichkeitsentwicklung beschäftigst, dann weisst du: Es ist gut, den Blick nach vorne zu werfen. Daran hat mich vor kurzem jemand in meiner Facebook Gruppe erinnert. Ein Mann schrieb mir: “Blicke nicht zurück, schaue nicht in die Vergangenheit.” Erst habe ich es gar nicht kapiert, was er von mir wollte. Ich riet einer Frau, bei einem Symptom zu forschen was in der Vergangenheit passiert sein könnte. Und er meinte damit natürlich nicht, dass sie nicht forschen sollte. Er meinte nicht, dass es keinen Sinn macht, auf die Suche nach der Ursache zu gehen. Er meinte damit, es mache keinen Sinn, mit dem Blick in der Vergangenheit zu sein. Weil so eine Grundhaltung einen auf der Stelle traben läßt, das bringt einen nicht weiter, das bringt dich nicht voran. Es ist nicht für deine Entwicklung förderlich, wenn du immer wieder alte Dinge durchkaust.

Dennoch mag ich dich heute anstiften, dass du einen neugierigen Blick auf deine Vergangenheit wirfst. Du könntest dich fragen: Gibt es Dinge aus der Vergangenheit, die in meinem Jetzt immer noch wirksam sind? Ich mag mit dir gemeinsam erforschen: Wann ist es sinnvoll, nach vorne zu schauen? Und wann macht es Sinn, den Blick zurück zu werfen? Ich mag da auch eingehen auf das Statement eines Klienten. Der sagte zu mir vor kurzem: “In die Vergangenheit gehen wir jetzt nicht mehr, denn da findet sich ja immer was.” Ja genau, das stimmt. In meinem Fall sind es über 50 Jahre – da findet sich immer etwas. Die Frage ist nur: Was ist sinnvoll?

Wann macht es Sinn, in der Vergangenheit zu schauen?

Dazu mag ich ein wenig auf meine Geschichte schauen. Wenn du mir schon eine Weile folgst, dann hast du mitbekommen, ich war lange ziemlich krank. Ich hatte Migräne-Anfälle, ziemlich starke sogar, jede Woche zwei Anfälle. Ich konnte kaum noch arbeiten, ich war wirklich krank. Ich hatte Nahrungsmittel-Unverträglichkeiten, ich hatte Verdauungsbeschwerden. Mir war klar: Irgendetwas ist mit diesem Körper los. Vielleicht hast du es mitbekommen? Ich habe endlich Ende 2021 ein Kindheitrtrauma gefunden und aufgelöst, das schon im Mutterleib passierte. Ich bin ein allein geborener Drilling. Ich werde auch darüber noch eine Folge machen. In der Zwischenzeit höre gerne das Interview zum allein geborenen Zwilling an, das ich mit Petra Zühlke führte. Sie ist ein alleine geborener Zwilling. Das ist also gar nicht so selten. Aber zurück zu mir. Als mein Trauma aufgelöst war, hatte ich von einem Tag auf den anderen keinen Blähbauch mehr und ich hatte das Gefühl, ich bin wieder ein anderer Mensch. Mein Körper zeigte mir also: Da gibt es etwas, das ungelöst ist und als es gelöst war, hat mein Körper anders reagiert. Das ist für mich ein Beweis, dass es sich lohnt, durchaus den Blick in die Vergangenheit zu werfen. Aber nicht in dem Sinn, dass du darin kramst. Für mich war es auch nicht wichtig, die ganzen 50 Jahre zu beleuchten und da drin rum zu kramen. Was ich mache ist, wenn ich Symptome habe, dann bin ich neugierig – welche Botschaft haben die Symptome für mich? In meinem Fall haben sich die Symptome aufgelöst, die sind überflüssig geworden – dann brauche ich auch nicht in die Vergangenheit schauen.

In welchen Fällen ist der Rückspiegel also angebracht?

Meine Empfehlung ist: Wenn Symptome da sind, dann lohnt es sich. Die können sich auf alle möglichen Arten und Weisen zeigen. Das können Beziehungsprobleme sein, das können können körperliche Symptome sein. An diesen beiden großen Indizien ist es erkennbar. Wenn ich schreibe: Beziehungsprobleme, weiss ich gar nicht, ob du als Leserin auch weisst, was ich damit meine? Das betrifft nicht nur Liebesbeziehungen. Es kann um die Beziehung zu deinen Kindern gehen – es kann auch die Beziehung zu deinem Chef sein – oder die zu einer Freundin oder Kollegin. Daran kannst du also erkennen, ob es da etwas gibt, für das es sich lohnen würde, in den Rückspiegel zu schauen. In allen anderen Fällen rate ich dir, den Blick nach vorne zu richten und nicht mit dir selber kämpfst, in dem du mit deiner eigenen Vergangenheit kämpfst. Darum geht es nicht. Es geht darum, dass du konstruktiv deinen Blick nach vorne hast, auf deine Ziele und die verfolgst. Es geht darum, dass du auf deine Ziele zugehst und alles im Alltag tust, damit diese auch Wirklichkeit werden.

Noch eine Art wie die Vergangenheit anklopfen kann

Eine Klientin hat sich bei mir gemeldet. Sie sagte, sie war bei einer Psychologin. Sie hat sie zur Tiefenpsychologie geschickt. Das war schon ein sehr guter Ratschlag, ihr zu sagen: Bei mir sind sie nicht richtig! Sie war bei der Verhaltenstherapeutin. Sie sagte ihr,  sie brauche jemanden, der mit ihr tiefenpsychologisch arbeitet. Das ist auch tatsächlich die richtige Therapieform, wenn du einen Kassentherapieplatz suchst. Ein Verhaltenstherapeut schaut mit dir nicht in die Vergangenheit, da bist du richtig bei einer tiefenpsychologisch orientierten Psychotherapie. Diese Klientin war aber auch nicht bei der Tiefenpsychologin richtig – sie brauchte tatsächlich Traumatherapie. Ich frage mich da: Wenn sich schon die Experten nicht so gut auskennen – wen soll man denn als Betroffen hier fragen? Ja, das ist echt ein wichtiges Thema. Aber zurück zur Klientin. Sie erlebt ihre Vergangenheit gegen ihren Willen in Bildern und auch auf anderen Wahrnehmungskanälen wieder. Das nennt sich in der Fachsprache Intrusionen. Da drängen sich einfach Bilder von früheren Erlebnissen ein. Wenn dir das passiert – also Wiedererleben als Bilder, als Gerüche, Geschmäcker oder das Gefühl, angefasst zu werden, dann sind das Intrusionen.

Die Kunst, den richtigen Platz für dich zu finden

Ja, das ist dan ein Zeichen, dass du Traumatherapie brauchst. In dem Fall ist es sogar nicht so, dass du deinen Fokus aktiv auf die Vergangenheit richtest – sondern die Vergangenheit kommt zu dir. Sie klopft also immer wieder an und zeigt dir mit einem richtig großen virtuellen Hammer: “Hey, da gibt es etwas in der Vergangenheit, wofür es sich lohnt, mal aufzuräumen.” Das empfehle ich dir auch in diesem Fall, dass du nach einer richtig guten Traumatherapeutin Ausschau hältst. Mit allen anderen Therapieformen wärst du überforderst. Es wäre nicht gut, wenn du darüber sprichst, ohne ein Sicherheitsgefühl etabliert zu haben. Ohne Sicherheit gibt es eine Gefahr: Es kann Retraumatisierung stattfinden. Das könnte zur Folge haben, dass es noch schlimmer ist als zuvor. Deshalb war der Rat der Kollegin, die Verhaltenstherapeutin ist, die Frau zur Tiefenpsychologin zu schicken nur halb optimal. Sie hat erkannt, dass sie nicht die richtige ist. Und genau das ist was ich meinte, als ich schrieb: Der Dschungel ist groß. Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig Wissen auch Fachleute haben. Wobei ich natürlich nicht weiss, was dort wirklich gesagt wurde. Entscheidend ist, zu jemandem das zu sagen, was ihn da hinbringt wo sie hin sollen, wo sie hingehören, wo ihnen geholfen wird. Und dann möchtest du dich ja dort wo du landest auch noch wohl fühlen – oder nicht? So einfach ist das. Und jetzt schalte ich die Ironie wieder aus. Was für ein Dschungel.

Was mir heute wichtig war

Ich wollte dir heute einen Überblick geben, damit es dir leichter fällt, zu unterscheiden: Wann ist es wichtig, in den Rückspiegel zu schauen? Und wann ist es wichtig, nach vorne zu schauen? Wenn dir das jetzt eine kleine Orientierung geben konnte, wann du dich um deine Vergangenheit oder um die Zukunft kümmerst, dann macht es mich total glücklich. Entscheidend ist letztlich, dass du dich um dein Jetzt kümmerst. Und zusammengefasst kann ich sagen: Wenn die Vergangenheit in dein Jetzt reinpfuscht, dann ist es gut, wenn du in den Rückspiegel schaust. Denn dort kannst du es in Ordnung bringen, damit du den Blick nach vorne werfen kannst.

Mehr über mich

Noch mehr Informationen über mich und meine Arbeit findest du auf meiner Über mich Seite und in meiner Gruppe zum Vagusnerv bei Facebook kannst du mir (auch anonym) Fragen stellen.

Ich freue mich auf dein Feedback hier, da kannst du mir auch schreiben, wenn ich deine Frage im Podcast beantworten soll. So kann ich noch mehr Frauen unterstützen, selbstbewusster zu werden. Das finde ich spitze!

Herzlicher Gruß
Shivani

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#64 – Soll ich mich nun mit meiner Vergangenheit beschäftigen oder nicht?

Hast du diese Folgen schon gehört?

#60 – Wenn Beziehungen nicht gut gelingen, denke an das…

#53 – Ich stelle mich der Angst – warum ist sie immer noch da?

#49 – Hilfe, wie gehe ich mit einem Geheimnis um?

#47 – Hilfe, wie werde ich erwachsen?

 

Bücher, die ich empfehle:

Verena König Bin ich traumatisiert

Verkörperter Schrecken Bessel van der Kolk

 

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