Heute erzähle ich die Geschichte von Kerstin und Quentin (**). Ursprünglich wendete sich Kerstin an mich. Sie wünschte sich Unterstützung, weil sie sich schon lange wünscht, schwanger zu werden, aber es klappte einfach nicht. So geht es vielen Paaren. Die Sache hat sich dann noch zugespitzt, als ihr Mann ganz eigenartige Symptome entwickelte.

Wie kann die Vergangenheit deinen Kinderwunsch verhindern?

Auf den ersten Blick ist es vollkommen unmöglich, dass vergangene Ereignisse sich auf den Körper oder die Psyche auswirken und verhindern, dass eine Frau schwanger wird, die verhindern, dass ein Paar Eltern werden kann. Ganz oft sind es nur die Frauen, die sich an mich wenden. Oft ist auch der Mann an ihrer Seite, der zumindest am Anfang mitkommt – einfach nur um emotional stärkend zur Seite zu stehen. In seltenen Fällen hat auch der Mann eine eigene Betroffenheit. Das ist dann der Fall, wenn er sich emotional gar nicht reif fühlt, Vater zu werden. Meistens erzählen es die Männer gar nicht ihren Frauen, sondern kommen irgendwie selber damit klar. In ganz seltenen Fällen, wenden sie sich mit diesem Anliegen an mich. Oder eher häufiger wendet sich ein Mann an mich, wenn das Spermiogramm nicht die gewünschte Qualität hat. Auch hierfür gibt es psychische Ursachen. Auch darüber kann ich mal einen Beitrag machen. Aber das erwähne ich heute nur am Rande. Heute mag ich einen ganz interessanten Fall vorstellen. An diesem Fall wird es ganz deutlich, wie die Vergangenheit ist Jetzt reinpfuscht – wie ich es liebevoll gerne umschreibe. Du wirst sehen, wie die Weisheit unseres Körpers dafür sorgt, dass wir alle unsere alten Aufgaben, die unerledigt sind, zum Abschluss bringen können. Auch wenn diese uns gar nicht mehr bewusst sind. Aber der Reihe nach.

Was bringt einen Mann zur Kinderwunschbehandlung?

Männer sind eher nicht so sehr bereit, einen Termin mit mir zu machen. Erstmal mag ich dir schildern, wie sich Quentin ganz schnell entschieden hat, beim Termin mit mir dabei zu sein. Schon seit einigen Monaten begleite ich Kerstin. Sie ist mit ihrem Mann gemeinsam in der Kinderwunschklinik. Sie möchte durch die Hypnosetherapie unterstützen, dass sie noch leichter schwanger wird. Plötzlich treten Schwierigkeiten auf, mit denen wir beide nicht weiter kommen – die verhindern, dass sie empfangen kann. Dieses Hindernis liegt nicht in ihrem Körper, sondern betrifft ihren Mann. Er entwickelt plötzlich ganz ungewöhnliche “Eigenarten”. Seine Libido ist reduziert. Er kann sich nicht umarmen lassen. Und schließlich überfällt ihn kurz bevor die beiden Liebe machen – eine Panikattacke. “So etwas unangenehmes habe ich noch nie erlebt. Ich habe gezittert und hatte einen Puls von gefühlt 200.”, schildert er mir später. Dieses überwältigende Erlebnis sorgt dann aber dafür, dass er bereit ist, bei einem Termin mit mir dabei zu sein.

Zuerst suche ich nach einem Trauma

Ich frage Quentin alle möglichen Fragen – die meisten zielen darauf ab, ein Trauma zu finden. War er schonmal in Lebensgefahr? hatte er Unfälle? Gab es unangenehme oder überfordernde Erlebnisse, bei denen Berührung eine Rolle spielte? Oder gab es Situationen in seinem Leben, in denen er Verantwortung übernahm, die er gar nicht hatte? Gab es Überwältigende Erfahrungen? Ich werde einfach nicht fündig. Vielleicht ist es ja gar kein Trauma? Dann gehen wir eben über das Symptom. Dann wird er sich hier während er bei mir sitzt, seiner Angst stellen müssen. Sie braucht nicht zu 100 % da sein – 1 % davon würde schon genügen. Wenn er die her holt – wie spürt er die? Sie kriecht ihm den Rücken hoch – so wie wenn er sich erschreckt. Der Rücken fühlt sich dann so an als wenn sich bei einem Hund oder einer Katze das Fell aufstellt. Eine Abwehrreaktion. Und dann schießt es ihm in den Kopf. Sein Sohn. Er sieht das Bild vor sich, wie er im Auto sitzt. Er fährt zur Unfallstelle. “Ich hätte da sein müssen, aber ich konnte nicht.” Sein Sohn ist vielleicht gerade dabei zu sterben – und er hätte da sein müssen – konnte aber nicht. Er hatte vielleicht als Vater versagt. Und diese Situation und alle die damit verbundenen Gefühle rauschten durch seinen Kopf und auch durch seinen Körper.

Doch noch ein Trauma gefunden!

Und so finden wir doch nicht ein Trauma. Ich löse es traumatherapeutisch gemeinsam mit ihm auf und spüre, dass seine Beine vollkommen erstarrt sind, ich fühle wie sich die Starre, die Kälte auflöst. Er sitzt so, dass ich seine Beine nicht sehen kann und spreche es an. Er bestätigt es – seine Beine zittern. Er soll sie zittern lassen. Das ist die gesunde Reaktion. Wie Butter fühlen sie sich danach an. Er soll umhergehen, damit die Energie wieder ins Fließen kommt. Erstarren ist eine ganz normale Trauma-Reaktion. Und danach ist es wichtig, dass die eingefrorene Energie wieder ins Fließen kommt. Jetzt kommt noch der entscheidende Moment. Wenn er jetzt das Bild innerlich herholt, bei dem er sich so fühlte, als habe er als Vater versagt. Wie ist dieses Bild jetzt? Denn ich nehme an, dass dies die Ursache für die Panikattacke war. “Ich habe als Vater versagt.” Wie soll er da erneut Vater werden? Es macht doch Sinn, dass sein ganzes System – sein Körper, seine Psyche – sich dagegen wehrt, Vater zu werden? Wie ist dieses Bild jetzt? Es hat sich verändert. Er sieht sich jetzt nicht mehr auf der Fahrt zur Unfallstelle. Jetzt sitzt er neben seinem Sohn auf der Liege der Sanitäter. Sein Sohn ist in Sicherheit, er ist rechtzeitig bei ihm angekommen. Und er fühlt sich nicht mehr als Versager – er fühlt Geborgenheit. Sein Sohn ist bei ihm geborgen und er fühlt sich selber geborgen. Das ist herausragend. Denn wenn ich jemandem helfe, ein Trauma zu lösen, dann ist es eher üblich, dass sich die Situationen neutralisieren. Es ist ganz, ganz selten, dass jemand hinterher sogar ein positives Gefühl mit dem Bild verbindet.

Behandlung gelungen!

Quentin war ganz schön erschöpft nach unserem Termin. Er wird sicherlich gut schlafen und es kann sein, dass er auch früher schlafen möchte als sonst. Es ist ganz normal, dass solche Termine erschöpfend sind. Was wir aus dem Nervensystem lösen, sind ganz starke Erfahrungen von Überforderung. Ich helfe dem Körper, dass er die Auswirkungen von Überlebensmechanismen rückgängig macht. Die Gefühle von Lebensbedrohung sind in diesem Momenten wieder präsent. Und das kostet Energie und Kraft. Das einzige, das diese Veränderung wieder rückgängig machen kann ist, wenn jemand danach Alkohol trinkt. Sonst ist die neue Sicherheit ganz tief im Nervensystem verankert. Im Fall von Quentin war die Lebensbedrohung nicht seine eigene – sein Sohn war bedroht. Deswegen haben wir auch bei meiner ersten Exploration das auslösende Ereignis gar nicht gefunden. Ich hatte einfach nicht im Traum dran gedacht, dass er bereits ein Kind hat, deswegen habe ich an diese Möglichkeit gar nicht gedacht. Aber der Körper erinnert sind, der Körper weiss alles. Der Körper hat eine große Weisheit in sich. Und so vertraue ich auch immer dem Körper.

Wie erkläre ich mir die Reaktion?

Vielleicht fragst du dich jetzt auch: “Wie kommt so eine Reaktion zustande?” Vielleicht ist dir aber auch schon alles klar? Ich habe verstanden, dass zum einen das Nervensystem von Quentin im Überlebensmodus war. Er saß gefühlt unterbewusst immer noch im Auto und hatte das Gefühl, zu spät zur Unfallstelle zu kommen, hatte das Gefühl, es sei schon zu spät, er habe als Vater versagt. Und mit diesem Versagensgefühl war es für sein Unterbewusstsein unmöglich, nochmal Vater zu werden. Und das hat sein Körper mit all den Möglichkeiten, die ihm zur Verfügung standen, verhindert. Keine Lust auf Sex. Keine Lust auf eine Umarmung. Und schon gar nicht Liebe machen – das könnte ihn ja wieder zum Vater machen. Und dabei hatte er ja versagt. Zum Glück ist das jetzt Vergangenheit.

Hast auch du ein Ereignis aus der Vergangenheit, die in dein Jetzt reinpfuscht?

Für diese Folge habe ich absichtlich die Geschichte von einem Mann ausgewählt. Die werden ja gerne – auch wenn es hier um “Frau Selbstbewusst” geht, zu mir mitgebracht. Männer finden den Weg zu mir selten – aber sie finden ihn auch. Bei Frauen sehen die Ursachen dafür, wie die Vergangenheit ins Jetzt reinpfuscht ganz anders aus. Aber das Prinzip ist dasselbe. Der Körper erlebte Überforderung und versucht nun zu verhindern, dass diese Überforderung erneut passieren kann. Das Gute daran ist: Diese Erfahrung lässt sich zumindest neutralisieren. Und wenn du dich fragst, ob ich auch dir oder euch helfen kann, dass ihr eurem Kinderwunsch näher kommt, dann meldet euch, dann melde dich.

Und wie geht es weiter?

Während ich das schreibe ist Kerstin zwar noch nicht schwanger – aber wir konnten eine wichtige Hürde aus dem Weg räumen. Natürlich erfährst du es auch bei mir in den Instagram Stories, wenn es geklappt hat. Und während dessen begleite ich sie weiter, damit es für sie leichter fällt, sich während der Zeit in der Kinderwunschklinik besser zu fühlen. Denn die Behandlung mit Hormonen ist für den Körper ganz schön anstrengend. Und es kann psychisch ganz schön herausfordernd sein. Das ist mit Unterstützung einfach leichter und die emotionale Zuwendung tut einfach gut. Viele Frauen sagen mir, sie kommen sich in der Klinik vor “wie eine Nummer”. Nicht jede Klinik ist gleich – deshalb gehe dorthin wo du dich wohl fühlst.

Soll ich mal einen Blick auf deine Situation werfen?

Für mich ist es selbst als Expertin oft ganz einfach, und manchmal braucht es auch ein wenig Zeit, die Ereignisse herauszufinden. Wenn du das liest, wirst du dich vielleicht fragen, ob es auch bei dir so ein Ereignis gegeben hat? Vielleicht bist du dir sogar sicher? Und wenn du nicht sicher bist, dann komm doch in meine kostenlose Gruppe bei Facebook kommen. Dort kannst du auch anonym deine Fragen stellen. Oder du buchst dir gleich ein Kennenlerngespräch mit mir – dann gebe ich dir meine Einschätzung für deine jetzige Situation und was ich denke, ob wir das gemeinsam aus dem Weg räumen können.

Mehr über mich

Noch mehr Informationen über mich und meine Arbeit findest du auf meiner Über mich Seite und in meiner Gruppe zum Vagusnerv bei Facebook kannst du mir (auch anonym) Fragen stellen.

Ich freue mich auf dein Feedback hier, da kannst du mir auch schreiben, wenn ich deine Frage im Podcast beantworten soll. So kann ich noch mehr Frauen unterstützen, selbstbewusster zu werden. Das finde ich spitze!

Herzlicher Gruß
Shivani

Magst du die Folge lieber im Podcast hören?

#66 – Wie die Vergangenheit deinen Kinderwunsch verhindern kann

Oder eine andere Folge zum Thema Kinderwunsch?

#03 – Fünf Fragen zu Hypnosetherapie bei Kinderwunsch

#13 – Die ständige Angst, nicht schwanger zu werden

#28 – Dr. Dunja Petersen: TCM bei Kinderwunsch

#21 – Kinderwunsch – du bist doch noch so jung!

Bücher, die ich empfehle:

Verena König Bin ich traumatisiert

Verkörperter Schrecken Bessel van der Kolk

 

(*) Affiliatelink – das bedeutet, wenn du über diesen Link etwas kaufst, bekomme ich eine kleine Provision, für dich ändert sich am Preis nichts.

(**) “Die Namen wurden von der Redaktion verändert.” würde hier stehen, wenn ich für eine Zeitung schreiben würde. Klar heissen die beiden anders und die Geschichte habe ich auch ein wenig verändert. Aber sie hat sich (fast) so zugetragen… Zur Klarheit: Sein Sohn war an der Unfallstelle unversehrt – was wir verändert haben ist das Bild, das in seinem Kopf davon war.

 

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