Stigmatisierung: Warum wir über psychische Probleme sprechen sollten

Okt 25, 2023 | Psychologisches Wissen | 1 Kommentar

Hast du dich schon einmal gefragt, warum es so schwer ist, über psychische Probleme zu sprechen? Oder warum Menschen zögern, sich jemandem anzuvertrauen? Warum ist die Schwelle so hoch, sich professionelle Hilfe zu suchen, obwohl sie dringend benötigt wird? Ich schreibe heute über Stigmatisierung. Lass uns gemeinsam erkunden, was es mit Stigmatisierung auf sich hat und wie sie sich auf Menschen auswirkt, die es in Erwägung ziehen, sich Unterstützung zu holen – sich aber nicht trauen.

Was ist Stigmatisierung?

Stigmatisierung ist ein ziemlich sperriges Wort, aber im Grunde genommen bedeutet es, dass Menschen aufgrund bestimmter Eigenschaften oder Zustände negativ von anderen abgegrenzt werden. Diese Eigenschaften werden oft verallgemeinert, was zu Vorurteilen und Diskriminierung führt. Normalerweise entsprechen sie nicht dem, was in unserer Gesellschaft als “normal” gilt. Stigmatisierung umfasst all die negativen Gedanken und Vorurteile, die Menschen gegenüber anderen hegen, die von der allgemein gültigen Norm abweichen. Dies kann dazu führen, dass man hauptsächlich auf diese Unterschiede reduziert wird, und alle anderen Eigenschaften in den Hintergrund treten. Bildlich stelle ich mir immer vor, jemand klatscht mir einen Fleck auf mein Äußeres und mit diesem laufe ich dann durch die Gegend. Ich trage etwas an mir, das mich sichtbar von anderen unterscheidet. Nur ein Stigma ist natürlich nicht offensichtlich, sondern existiert meistens nur im Kopf eines Menschen.

Welche Arten von Stigmatisierung gibt es?

Stigmatisierung kann in vielen Formen auftreten. Menschen werden oft aufgrund von Eigenschaften wie Religion, sexueller Orientierung, Behinderungen oder Nationalität negativ abgegrenzt. Menschen mit psychischen Problemen werden manchmal aufgrund ihrer Erkrankung als “verrückt” abgestempelt. Dies nennt man Fremdstigmatisierung.

Aber Stigmatisierung passiert nicht nur von außen. Oft stigmatisieren wir uns auch selbst. Wir ziehen uns selbst aufgrund unserer psychischen Probleme zurück und fühlen uns schwach oder minderwertig. Das ist die sogenannte Selbststigmatisierung. Und das Gemeine daran ist, dass Fremd- und Selbststigmatisierung sich oft gegenseitig verstärken. Und beides hängt mit Scham zusammen.

Wie kommt es zu Stigmatisierung?

Stigmatisierung kann von außen durch Vorurteile und Diskriminierung auftreten, aber auch wir selbst können uns stigmatisieren. Die Selbststigmatisierung tritt auf, wenn wir uns aufgrund unserer psychischen Probleme als schwach oder minderwertig empfinden. Oft verstärken sich Fremd- und Selbststigmatisierung gegenseitig. Und hier ist immer Scham im Spiel.

Was bedeutet “Stigma” auf Deutsch?

Das Wort “Stigma” stammt aus dem Griechischen und bedeutet “Kennzeichen” oder “Zeichen”. Ein Stigma ist also ein Merkmal, das von der gesellschaftlichen Norm abweicht und negativ bewertet wird.

Ist Stigmatisierung immer negativ?

Stigmatisierung ist in der Regel negativ, da sie zu Vorurteilen und Ausgrenzung führt. Sie basiert oft auf Vorurteilen und begrenztem Verständnis.

Was passiert bei Stigmatisierung?

Stigmatisierung führt dazu, dass Menschen oft nur aufgrund eines bestimmten Merkmals oder Zustands wahrgenommen werden, und andere Eigenschaften treten in den Hintergrund. Dies würde auch einen Stereotyp beschreiben – wie zum Beispiel Spanier bei den Deutschen oft dran denken, dass diese gut organisiert sind oder ein US Amerikaner denkt oft direkt an Sauerkraut oder Weihnachten. Ein Stereotyp kann jedoch positiv sein – ein Stigma hat immer ein “Geschmäcke”, ist also irgendwie negativ. In einfacheren Worten, Stereotypen sind Vorstellungen oder Bilder, die Menschen in Bezug auf Gruppen in ihren Köpfen haben, während Stigmatisierung die tatsächliche Diskriminierung oder Ablehnung von Personen aufgrund dieser Vorstellungen und Vorurteile ist. Stereotypen können zu Stigmatisierung führen, aber sie sind nicht dasselbe.

Wie gehe ich mit Stigmatisierung um?

Wenn du weisst, dass diese Reduzierung auf ein einziges Merkmal ungerechtfertigt ist, erlaubt es dir, den Fokus darüber hinaus zu erweitern. Es ist wichtig zu wissen, dass du mehr bist als dieses Stigma. Manchmal hilft es, sich das klar zu machen – manchmal braucht es jemanden, der uns hilft, den Fokus wieder weit zu stellen. Und ich würde sagen: Manchmal bist du der Mensch, der aus den Augen schaut und das Sigel des Stigma von anderen aufgeklebt bekommt – es ist aber nicht auf dir – sondern in der Wahrnehmung der anderen. Und manchmal bist du der Mensch, der beobachtet, wie einem anderen dieses Sigel angebracht wird. Dann mache ruhig deinen Mund auf und teile deine Wahrnehmung mit.

Welche Menschen werden stigmatisiert?

Menschen mit psychischen Problemen sind oft von Stigmatisierung betroffen, aber auch andere Gruppen, wie Menschen mit bestimmter Religion, sexueller Orientierung, Behinderungen oder unterschiedlicher Nationalität.

Wie kann man Stigmatisierung entgegenwirken?

Die Bekämpfung von Stigmatisierung erfordert Aufklärung, Offenheit und den Abbau von Vorurteilen. Menschen sollten ermutigt werden, über ihre Probleme zu sprechen, ohne Angst vor Verurteilung zu haben. Nur dann, wenn du dich vorbehaltlos öffnen kannst, wirst du dich mit deinen Themen anvertrauen. Und diese Platform mag ich dir hier bieten. Wenn du ein Thema hast, an dem du gerne arbeiten möchtest, dich aber bisher zurück gehalten hast, weil es dir peinlich ist – dann könnte es Zeit sein, du vereinbarst einen Souveränitätscheck mit mir.

Warum ist es wichtig, über psychische Themen mit jemandem zu sprechen?

  1. Enttabuisierung und Aufklärung: Das offene Gespräch über psychische Probleme hilft, das Tabu und die Stigmatisierung, die oft damit einhergehen, zu durchbrechen. Es trägt dazu bei, Vorurteile und Missverständnisse abzubauen und die öffentliche Aufklärung zu fördern.
  2. Früherkennung und rechtzeitige Intervention: Durch das Teilen von Erfahrungen und Gefühlen können Menschen erkennen, dass sie möglicherweise von einem Thema betroffen sind. Dies erleichtert die frühzeitige Erkennung und den Zugang zur notwendigen Hilfe und Unterstützung.
  3. Reduzierung von Isolation: Mit einem Problem alleine zu sein führt oft zu sozialer Isolation. Das ist ja oft auch die Kraft von “Geheimnissen” – wenn du von einem anderen gebeten wirst, “nicht drüber zu sprechen”. Das Gespräch über diese Probleme kann dann tatsächlich sehr entlastend sein.
  4. Verbesserte Unterstützung: Offene Gespräche fördern den Austausch von Informationen über die Möglichkeiten, die dir zur Verfügung stehen.
  5. Prävention: Indem wir über unsere Themen sprechen, fördern wir präventive Maßnahmen und den gesunden Umgang mit Stress und emotionalen Herausforderungen. Dies kann dazu beitragen, psychische Probleme zu verhindern oder ihre Schwere zu verringern.
  6. Vertrauen und soziale Bindungen: Offene Gespräche über psychische Gesundheit können das Vertrauen in zwischenmenschlichen Beziehungen stärken. Freunde und Familienmitglieder können sich besser unterstützt fühlen und Betroffene können eine größere Bereitschaft entwickeln, Hilfe zu suchen.
  7. Reduzierung von Vorurteilen und Diskriminierung: Wenn wir über psychische Gesundheit sprechen, können wir dazu beitragen, Vorurteile und Diskriminierung gegenüber Menschen mit psychischen Problemen zu reduzieren. Dies führt zu einer inklusiveren und mitfühlenderen Gesellschaft.
  8. Ressourcen und Unterstützung: Das Gespräch über psychische Gesundheit ermöglicht es Menschen, Ressourcen und Unterstützung zu finden. Dies kann Selbsthilfegruppen, Therapie oder Hotlines zur Krisenintervention einschließen. Darf ich dir in einem kostenlosen Souveränitätscheck mit deinem Thema beiseite stehen?

Zusammengefasst: Offene Gespräche über psychische Themen sind entscheidend, um dein Wohlbefinden zu fördern. Es ist ein Schritt in Richtung Selbstliebe. Du hilfst damit, eine Gesellschaft zu schaffen, die mitfühlender und verständnisvoller ist. Es ist ein Schritt in Richtung einer Welt, in der psychische Gesundheit genauso wichtig ist wie körperliche Gesundheit. Und du darfst in wilden Zeiten die Aufmerksamkeit auf dein Wohlgefinden und auf dein inneres Wachstum richten.

Lass dich nicht von Vorurteilen entmutigen und sehe das, was dir unangenehm ist nicht als Stigma! 🌈💖

1 Kommentar

  1. Tamara

    Liebe Shivani,

    vielen Dank für diesen Blogartikel. Ich finde es auch wichtig, dass man offener über psychische Probleme sprechen kann und darf, ohne gleich in eine Schublade gesteckt zu werden. Bei körperlichen Beschwerden ist die Hemmschwelle oft viel geringer und das Verständnis in der Gesellschaft höher. Das finde ich sehr schade. Viele Menschen holen sich deshalb auch erst Unterstützung, wenn der Körper streikt und Medikamente nicht oder nur bedingt helfen.

    LG Tamara

    Antworten

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