Nah am Wasser gebaut: Ich weine leicht – ein Geständnis

Sep 26, 2022 | Persönliches | 0 Kommentare

Jetzt habe ich mich erstmal informiert, ob es heißt: “Ich habe nahe am Wasser gebaut.”, oder ob es eher heißt: “Ich bin nahe am Wasser gebaut.” Nach einer kleinen Recherche bin ich so schlau wie zuvor. Jetzt hab ich mich gefühlsmäßig entschieden für: Ich bin nahe am Wasser gebaut. Ich schreibe dir hier, dass mir privat ganz leicht selber die Tränen kullern – aber nur ganz selten, wenn ich dich bei einem Thema begleite.

Wenn etwas berührend ist, dann kullern bei mir Tränen.

Schon als Kind war ich diejenige unter uns Geschwistern, die vor der Flimmerkiste bei berührenden Filmszenen weinte. Damals habe ich es noch versteckt – ich wollte so nicht gesehen werden. Später waren meine Augen meistens verheult, wenn ich aus dem Kino kam. Auch dafür habe ich mich geschämt und zeigte es nicht offen. Heute sitze ich selbstbewusst bei einer Fortbildung. So wie Anfang September beim Live-Event der Masterclass mit Carolin und Marco Kindermann. Ich bin von Südspanien nach Flensburg gereist für die Abschlussveranstaltung unseres Jahrescoachings. Marco spricht zur Einführung noch ein paar Sätze, wie toll es ist, Unternehmer zu sein. Er bricht eine Lanze für diese Lebensform, für die sich nicht so viele entscheiden. Und mir fließen die Tränen. Ich sitze da, lausche seinen Worten, die nicht nur Worte sind, sondern die gesamte Passion von ihm und seiner Frau transportieren. Genau das löst auch meine Tränen aus – die Worte treffen mitten ins Herz. Mein Vater fällt mir ein. Auch er war Unternehmer – aber er ist gescheitert. Er sprang damals ins kalte Wasser, baute aus dem Nichts ein Imperium auf – und es stürzte wieder zusammen. Er ist gescheitert. Ihm hatte niemand beigebracht, wie es geht. Und nun sitze ich hier und mache erstmal meine Hausaufgaben. Ich habe die Chance, erfolgreich zu werden. Das berührt mich. Zum Glück bin ich berührbar.

Das war das letzte Ereignis, zu dem ich mich erinnere, dass mir die Tränen kullern. Und davor gab es ganz viele andere Events, bei denen das auch so war. Auch wenn ich jemandem nur berichte oder erzähle, wie toll ich etwas finde – ich muss immer Taschentücher dabei haben. Denn irgendwie gehört bei mir “berührt sein” und “die Tränen kullern” zusammen. Auch wenn ich vor Publikum etwas vortrage – ich kann davon ausgehen, dass ich weine.

Ich bin nahe am Wasser gebautIn den Sitzungen bei mir weint meistens nur die Kundin

Wenn ich dich bei deinem Thema begleite, dann weine ich nicht. Das wird mir auch rückgemeldet. Ich strahle wohl aus, wie ich mich auch selbst wahrnehme. Bei mir braucht niemand etwas zurückzuhalten. Das kenne ich auch. Ich kenne dieses Gefühl, wenn ich den Eindruck habe: “Das darf ich jetzt gar nicht erzählen, weil der andere es nicht aushalten kann, zu hören.” Und das ist eine ganz schlechte Voraussetzung für eine psychologische Begleitung – wenn die Kundin den Eindruck hat, dass sie gar nicht alles erzählen kann – dass die Begleiterin emotional zusammenkracht. Das stelle ich mir vor wie ein Holzbrett, das als Brücke dient. Wenn es zu dünn ist und ich drüber gehe, dann kracht es zusammen. Wenn es stabil genug ist, dann kann ich in Ruhe drüber gehen. Ja, der Vergleich ist richtig gut. Denn kannst du dir vorstellen, wie viele Gedanken du verschwendest, drüber nachzudenken, ob das Brett dich trägt? Wie viel Gewicht hält es wohl aus? Und wirst du merken, wenn es nicht trägt? Klar, wenn du unten liegst – aber kannst du dich vorher retten? Und wie viel anders ist es, wenn du ganz deutlich siehst: Das Brett ist dick genug und ich kann sogar noch wippen – oder einfach in Ruhe drüber gehen. Das Brett trägt mich. Und genauso ist es mit guter emotionaler Begleitung. Du kannst alles anvertrauen, der andere kann dich emotional ganz wahrnehmen, dir Sicherheit geben, du kannst in einem Raum aus emotionaler Stabilität, aus emotionaler Ruhe eintauchen und dort findet Transformation statt.

Nah am Wasser gebaut – in meinen Sitzungen selten

Wenn ich mich dran erinnere, wann ich selber bei einer Beratung weinte – das kann ich an zwei Händen abzählen. Das erste Mal war das in Tübingen, als ich bei Prof. Dr. Revenstorf in der Ambulanz arbeitete. Ich sehe mich da noch in dem weißen Sessel sitzen. Wer da bei mir war, das weiss ich nicht mehr – aber ich weiss noch, wie ich mich fühlte. Ich wusste: Es hat keinen Sinn, mich damit zu verstecken – jetzt hilft nur, offen und ehrlich dazu zu stehen – sonst ist das Vertrauen in Gefahr. “Das berührt mich jetzt selbst”, war mein Kommentar damals. Und das habe ich beibehalten. Denn diese Aussage ist für mein Gefühl frei von Bewertung. Das ist oft das Schwierigste für Klientinnen – wenn sie bei mir sitzen und sie sind so berührt, dass sie weinen – dass sie sich selbst dafür bewerten, dass es so mit Scham besetzt ist, zu weinen. “Ich heule nicht gerne”, oder “Dabei schäme ich mich”, sind noch die harmlosen Kommentare oder inneren Dialoge. Das zweite Mal sehe ich mich in meiner Praxis in Reutlingen in meinem gelben Sessel sitzen. Ich weiß auch noch, welche Klientin vor mir sitzt – aber ich habe vergessen, was unser Thema an diesem Tag war. Und es gab natürlich einige Situationen, als ich als Psychoonkologin in Tübingen an der Klinik arbeitete und in Eningen im Hospiz. Mich haben da nie die schlimmen Dinge berührt, die kann ich emotional umfassen und tragen – weil ich selbst so viele schwierige Situationen schon gemeistert habe. Was mich da so tief berührt ist, wie wichtig einem ein anderer Mensch sein kann, wie tief die Liebe zwischen Menschen sein kann – das berührt mich wirklich.

Magst du, dass ich dich bei deinem Thema begleite?

Wenn du Interesse hast, dass ich die bei deinem Thema begleite, dann ist der erste Schritt, dass du einen Termin für einen Souveränitäts-Check vereinbarst. Der nächste Schritt ist, dass du dich auf unseren Termin vorbereitest. Und es könnte tatsächlich gut sein, du legst dir Taschentücher bereit. Denn du wärst nicht die Erste, die total überrascht, so etwas sagt wie: “Ich konnte schon lange nicht mehr weinen.”, oder: “Ich dachte schon, ich kann gar nicht mehr weinen.”, aber auch: “Vor anderen konnte ich noch nie weinen.” Es ist also nicht nur eine Spezialität von mir, dass ich privat leicht weine – ich bringe die Tränen bei anderen leicht zum Fließen. Und mir ist wichtig: Es bedeutet nicht, dass ich so mächtig bin, dich zum Weinen zu bringen (wie manche sich fühlen). Für mich bedeutet es, dass du mir so sehr vertraust, dass dein Körper dich zu diesem Ereignis führt, das uns hilft, das Thema zu transformieren, weshalb du dich meldest.

Wann hast du das letzte Mal geweint? Wann warst du das letzte Mal nah am Wasser gebaut? Traust du dich, mir das in einem Kommentar zu teilen?

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  • Wut – ausgeprägter Gerechtigkeitssinn
  • Du bist auf der Suche? Weisst aber nicht, was du suchst?
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  • Das Gefühl, ganz alleine zu sein – auch wenn du in Gemeinschaft bist.
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