Geräusche vom Nachbarn – ich mag erstmal betonen, es geht um ganz normale Wohngeräusche. Heute geht es um Frauen, die Geräusche aus der Wohnung von Nachbarn einfach nicht aushalten können. Hey, ich freue mich riesig, dass du hier vorbeischaust. Kennst du jemanden, der die Geräusche vom Nachbarn nicht aushalten – aber auch nicht ausblenden kann?

Geräusche vom Nachbarn – beide Seiten leiden

Ich hatte dieses Thema schon öfters – und zwar von beiden Seiten. Zu mir kommen Frauen, die mir gestehen:

“Wenn ich da so in der Wohnung sitze und höre, wie die da über mir rum stöckeln, mit ihren Stöckelschuhen, dann könnte ich aus der Haut fahren. Ich halte das einfach nicht aus. Ich werde dann so unruhig und wütend. Das ist für mich so eine Belastung. Und ehrlich gesagt sind weniger die Geräusche eine Belastung, als vielmehr die Gefühle, die diese in mir auslösen.”

Es kommen auch Frauen, die sagen:

“Da hat sich eine Nachbarin oder ein Nachbar bei mir beschwert – ich würde zu laute Geräusche machen. Und das und das und das passt auch nicht.”

Meine Erfahrung ist: Auf beiden Seiten besteht Leidensdruck. Und das soll heute unser Thema sein.

Von Affektbrücken und was dahintersteckt, wenn es nicht leicht fällt, dein Essverhalten zu ändern

Ich sitze jetzt in Südspanien. Das letzte Mal habe ich den Podcast in Frankreich beziehungsweise in Stuttgart aufgenommen. Für längere Zeit bin ich jetzt in Spanien bei über 30 °C im Schatten. Aber ich wollte es so. Das letzte Mal habe ich mit Anna gemeinsam ein Interview aufgenommen. Ich hatte sie gefragt, wie sie mit Affektbrücken arbeitet. Ich wollte dazu von mir noch etwas sagen – das habe ich total vergessen. Das werde ich nachholen. Versprochen. Vielleicht weißt du jetzt nicht, was eine Affektbrücke ist? Dann höre doch rein in mein Interview mit Anna. Wir unterhielten uns über das, was dahinterstecken kann, wenn es dir als Frau nicht leicht fällt, dein Essverhalten zu ändern. Und wir sprechen bald wieder – der Termin steht schon im Kalender. Auch da gibt es wieder Themen, wo es in die Tiefe geht. Aber es geht ja heute um Geräusche.

Anna Auer

Im Podcast #89 sprach ich mit Anna Auer

Unterbewusste Mechanismen dahinter

Jetzt lass uns weiter dieses Phänomen mit den Geräuschen betrachten. Welche unterbewussten Mechanismen gibt es denn, dass jemand die Geräusche vom Nachbarn einfach nicht aushalten kann? Mir ist es wichtig – es soll für euch beide sein. Für dich, falls es dir so geht, dass du diesen Gefühlen ausgeliefert bist. Aber es ist auch für dich, wenn deine Nachbarn zu dir kommen und dir sagen, du seist zu laut. Es kann sein, du beginnst, an dir zu zweifeln. Aber erstmal der Reihe nach.

Das ist mir bisher gar nicht aufgefallen…

Jemand sitzt in seiner Wohnung, möchte einfach nur Wohnen, Kochen, in Stille sein und dann gibt es Geräusche aus der anderen Wohnung. Das ist ganz normal, Wohngeräusche, Kinder spielen, eine Tür geht zu, Schritte über dir oder zu hören, wie die Nachbarn sich auf dem Balkon unterhalten. Es gehört zum Zusammenleben dazu. Vielleicht kennst du das Phänomen, deine Aufmerksamkeit ist auf etwas gerichtet und plötzlich kommt jemand herein und fragt: “Was ist denn das für eine Stimme da draußen?” “Ach, mir ist sie bisher gar nicht aufgefallen. Mein System hatte die Stimme einfach ausgeblendet.” Genau, das kann unser System auch. Unser Wahrnehmungsfilter kann die Aufmerksamkeit so steuern, dass es bestimmte Geräusche, bestimmte Wahrnehmungsinhalte gar nicht wahr nimmt. Das kenne ich gut aus der Hypnosetherapie. Auch unser Körper hat diese Eigenschaft, wenn ich hier auf dem Stuhl sitze und es mir bewusst mache, mir dessen gewahr werde: So fühlt sich die Haut an, wo sie den Stuhl berührt. Bevor ich mit der Aufmerksamkeit dort war, habe ich das gar nicht bemerkt. Genauso ist es auch bei Geräuschen.

Rotwein, Erdnüssen, ausspannen

Einfach in Ruhe ausspannen. Wer stört?

Ich ruhe in mir, und die Geräusche vom Nachbarn jucken mich nicht

Wenn ich in mir ruhe, wenn ganz normale Geräusche um mich sind, kann mein System die Aufmerksamkeit auf das lenken, was mir wichtig ist – und das andere einfach ausblenden. Aber was passiert denn jetzt, wenn da Geräusche sind, die in mir Gefühle verursachen, wo ich aus der Haut fahren könnte, wo ich am liebsten auf den Mond fliegen würde, wo ich einfach am liebsten aus mir selbst flüchten würde? Wobei ich einfach unglaublich wütend werde? Das hat natürlich wieder mit dem Nervensystem zu tun. Wenn ich dann so eine Frau bitte, die mir sagt: “Ich werde jedes Mal wütend, wenn ich über mir diese Stöckelschuhe höre.” Und das ist jetzt ein Beispiel – es gibt natürlich auch Gehgeräusche, Trittschall, der unaushaltbar ist, deshalb gibt es auch Trittschalldämmung. Und mir ist ganz wichtig – ich mag niemandem einreden, dass alle Geräusche normal sind und dass man die aushalten muss. Mir geht es wirklich nur darum, wenn es jemandem nicht gelingt, normale Geräusche auszublenden. Und was passiert in so einem Nervensystem?

Was passiert, wenn diese Geräusche etwas in dir auslösen?

Ich bitte diese Frau dann, diese Situation sich innerlich herzuholen und zu beginnen, diese zu erforschen. Ich bitte sie dann, nachzuspüren, woher sie das kennt. Bisher in allen Fällen, sind wir auf Situationen gekommen, in denen klar war: Hier ist etwas Trauriges passiert. Es ist etwas geschehen, das zur Folge hat, dass ihr das, was oben in der Wohnung jetzt passiert, für sie nicht möglich ist. In ihr ist Trauer, Schmerz, Hilflosigkeit und das hält sie davon ab, dass das, was oben gelebt wird, selber nicht leben kann.

Stelle dir vor, oben wird getanzt, voller Freude.

Und die Frau sitzt unten in der Wohnung und würde sich das bewusst oder unterbewusst auch wünschen, dass sie so freudig durch die Wohnung wirbeln kann. Vielleicht auch noch mit einem Partner. Aber irgendetwas in ihr verbietet ihr das. Irgendein unterbewusster Mechanismus – das ist mir wichtig – es ist ein unterbewusster Vorgang. Es ist nie ein absichtlicher Vorgang, sondern es ist etwas, das ganz automatisch in einem abläuft und deshalb ist die Hilflosigkeit so groß. Es ist ein Automatismus und wenn der nicht erkannt wird, dann kannst du so viel tun, wie du willst – dieses Ausgeliefertsein wird nicht weggehen, diese Wut wird nicht weggehen und diese Fähigkeit, die Geräusche einfach da sein zu lassen, die kommt nicht von allein. Die kommt nur dann, wenn die alte Belastung, die alte Verknüpfung sich lösen darf.

Was können diese alten Verknüpfungen sein?

Es kann sein, dass jemand irgendwann mal beschlossen hat, nicht richtig erwachsen zu werden. Wer nicht richtig erwachsen sein kann, der kann auch nicht richtig das Leben genießen.Der spürt dann den Neid, die Eifersucht auf die anderen, dass die das leben, was einem selbst verschlossen ist. Aber diese eine Seite, die mal beschlossen hat, nicht erwachsen zu werden, die kann das nicht zulassen. Also, es macht immer Sinn, was da passiert.  Es ist nie absichtlich oder an den Haaren herbeigezogen – für dieses Nervensystem, dem das so passiert, macht es Sinn, dass es bisher so war. Aber: Es kann sich ändern.

Meine Kundin ist verunsichert

Diese Woche war eine Klientin bei mir mit einer ganz anderen Thematik. Sie sagte mir plötzlich, der Nachbar hat bei ihr geklingelt und hat sich beschwert, dass sie zu laut sei. Sie hat sich davon verunsichern lassen. Aber sie hat dann überlegt und sich gefragt:

“Stimmt denn das?” “Ist das denn richtig?” “Nein, ich bin nicht laut, ich bewege mich normal, ich habe keine lauten Schuhe. Es sind nichtmal laute Stöckelschuhe, sondern ganz normale Schuhe, die keine besondere Lautstärke von sich geben.”

Danke für den Impuls – daraus ist dieser Blogbeitrag und die Podcastfolge geworden.

Heute schreibt sie mir eine Email und fragt mich: “Liebe Shivani, kannst du mir nochmal sagen, welche Ursache es hat, wenn jemand so geräuschempfindlich ist, wie mein Nachbar? Ich komme nicht mehr drauf, was du da erklärt hattest. Und ich habe ihr geantwortet:

“Liebe Claudia.” Sie heisst nicht Claudia, ich habe den Namen geändert – aber ich nenne sie jetzt so. Liebe Claudia, diese Podcastfolge nehme ich für dich auf und für alle da draußen, die sich das fragen. Damit du weißt: Bei deinem Nachbarn gibt es irgendein Thema, das ihn so belastet hat, das ihn so eingeschränkt hat, dass er sich das nicht traut zu leben, was er bei dir hört, wenn du dich in deiner Wohnung bewegst. Das, woran ihn deine Wohngeräusche erinnern ist das, was er sich nicht traut, zu leben. Er ist total traurig und wütend, er ist den Gefühlen ausgeliefert, wenn er dich hört.”

Es ist nicht deine Schuld

Lade dir nicht die Probleme anderer Menschen auf.

Das ist nicht deine Schuld

Denn das ist oft das Thema wieder von denen, denen gesagt wird: “Du bist zu laut in deiner Wohnung.” Dann fragt man sich: “Ist das denn richtig?” “Stimmt das denn? Bin ich wirklich zu laut?” Und wenn du das überprüfst und feststellst, das stimmt nicht, dann ist es nicht dein Problem. Dann ist es wirklich das Thema des anderen. Und der darf sich um sein Nervensystem kümmern. Das ist natürlich eine mutige Sache. Aber wenn deine Nachbarin oder dein Nachbar sich bei dir meldet und du bist dir sicher, es ist nicht so, dann könntest du diese Podcastfolge weiterleiten. Oder ein Gespräch führen und deutlich machen, dass die Ursache nicht bei dir liegt. Sondern vielleicht an Punkten, die der andere – nicht absichtlich – aber dennoch, in seinem eigenen Inneren liegen.

Am liebsten möchte man die Geräusche ausschalten

Und ich weiß, es ist oft nicht so gut nachvollziehbar. Denn man möchte diese ganzen Geräusche ausschalten, die einem diese – ich sage es jetzt mal – Scheiß-Gefühle machen. Aber am aller wirksamsten ist es wirklich, da hinzuschauen: Was sind das für Gefühle, was ist das für ein Schmerz? Und auch das ist dann wieder eine Überlagerung von alten Erfahrungen. Das können auch Erlebnisse sein – ich habe nur gesprochen von jemandem, der “nur” eine Altersinkongruenz hat. Ja, was heisst “nur”? Es könnten auch Gewalterlebnisse dahinter stecken. Es kann sein, das ist jemand, der hat Prügel bekommen als Kind. Mir fallen jetzt so schnell gar nicht alle Möglichkeiten ein, die so eine Geräuschempfindlichkeit verursachen können. Auf jeden Fall ist das Nervensystem aufgrund von alten Erfahrungen immer noch im Kampf-Fluchtmodus. Und wenn du davon betroffen bist, dann darfst du dich darum kümmern. Wenn du diejenige bist, über die man sich beschwert, dann darfst du dein imaginäres Fell schütteln, das abschütteln oder ein dickes Fell entwickeln und sagen: Nein, das hat mit mir nichts zu tun. Stelle dir eine äußere Schutz-Haut vor, an der das alles abperlen kann. Du kannst in deiner Kraft bleiben.

Bist du dir auf die Schliche gekommen?

Das wünsche ich dir. Ich hoffe, du hast heute was gelernt. Bist du dir auf die Schliche gekommen? Ich wünsche mir, dass zwischen Menschen ein wenig mehr Frieden sein kann, dass in dir mehr Frieden sein kann und dass du Verständnis haben kannst für dich, für andere und einen Impuls bekommst, dass da etwas sein könnte, etwas, um das du dich kümmern darfst. Und hoffentlich ist das Thema dann Vergangenheit: Geräusche vom Nachbarn stören dann nicht mehr – oder der Nachbar hört auf zu nerven.

Ich schaue mit dir auf deine Situation

Wenn du dir auf die Schliche gekommen bist, dann melde dich für ein kostenloses Gespräch, für einen Souveränitäts-Check. Dann schaue ich mit dir gemeinsam auf deine Situation und gebe dir meine Einschätzung, was du damit erreichen kannst. Ich freue mich riesig, dass du bis hier gelesen hast. Ich genieße jetzt noch ein wenig die Zikaden, die mich beschallen, die hier Musik machen. Bis zum nächsten Mal, bis bald.

 

Höre diesen Beitrag im Podcast an

#90 – Geräusche von Nachbarn ausblenden – was steckt dahinter wenn das nicht geht?

Oder bringt dich das hier weiter?

#73 – Was ist Selbstbewusstsein? Erklärt auf der Basis deines Nervensystems

#46 – Hilfe, warum bin ich so geräuschempfindlich?