Selbstbewusstsein ist ohne Frage ganz wichtig. Jeder will es haben, jeder weiss was damit gemeint ist, wenn darüber gesprochen wird. Es hat mit unseren Gefühlen zu tun, es hat damit zu tun, ob wir unsere Ziele erreichen und irgendwie auch damit, welchen sozialen Status wir haben. Es ist also klar: Ein lebenswertes Leben klappt leichter mit Selbstbewusstsein. Wenn ich hier drüber schreibe, dann ist dir ganz sicher klar, was ich damit meine, mit dem Selbstbewusstsein.

Kannst du mir Selbstbewusstsein beschreiben?

Super, dann kannst du mir sicher in deinen Worten beschrieben, was Selbstbewusstsein ist. “Sich selbst bewusst sein.”, hörte ich vor kurzem. Aha – das hilft mir wirklich weiter, danke. Wenn ich dann die Psychologen frage – die sagen mir alle, es habe etwas damit zu tun, wie gut ich mich selber kennen würde. Das Lexikon der Psychologie behauptet sogar, dass Selbstbewusstsein auch von anderen definiert wird. Klar – es gibt ja die Selbstwahrnehmung und die Fremdwahrnehmung – und die können ganz schön unterschiedlich sein. Dazwischen kann es Übereinstimmung geben – aber auch eine ganz schön große Lücke. Aber wird mein Selbstbewusstsein wirklich von anderen definiert?

“Was ist denn Selbstbewusstsein für mich?”

Diese Frage stelle ich mir gerade. Ich stelle mich dann innerlich selbst vor, in verschiedenen Situationen. Ich, wie ich ganz selbstbewusst eine Straße entlang gehe. Und dann wieder ich, wie ich mich – schon total erschöpft vom Tag – von jemandem im Bus bei der Heimfahrt verunsichern lasse. In der ersten Situation empfand ich mich als selbstbewusst – in der zweiten eher nicht. Hatte das nun etwas damit zu tun, wie gut ich mir selbst bewusst war? Oder hatte es was damit zu tun, wie gut ich mich selber kenne? Ich würde eher sagen, es hatte etwas damit zu tun, wie ich mich in einer Situation gefühlt und verhalten habe. Es hatte etwas damit zu tun, welche Energie ich im Körper hatte und auf welche Art und Weise ich auf mein Umfeld reagieren konnte. Und weil das, was ich als Erklärung und Beschreibung zu Selbstbewusstsein bisher gefunden habe, so gar nicht mit meiner eigenen Erfahrung übereinstimmt, schreibe ich jetzt mal, wie ich Selbstbewusstsein definiere.

Die Fähigkeiten des Nervensystems

Was war der Unterschied zwischen den beiden Situationen, die ich weiter oben beschrieben habe? In der zweiten Situation war ich müde vom Tag, hatte emotionale Höchstleistung vollbracht, ein paar schwierige Gespräche mit Patienten nach ihrer Diagnoseeröffnung geführt, ich wollte von niemandem etwas wissen, war in mich zurück gezogen und deswegen eher leicht irritierbar. In der ersten Situation war ich ausgeschlafen, startete meinen Tag, machte mich auf, eine Freundin zu sehen. Ich freute mich auf sie und ich hatte ein Liedchen auf den Lippen. Mein Nervensystem war in beiden Fällen in einem vollkommen anderen Zustand. Ich fühlte mich in der zweiten Situation müde und eher nicht selbstbewusst. In der ersten Situation dagegen sehr, ich war voller Leichtigkeit und Freude. Und um diese beiden Zustände soll es jetzt gehen.

Wenn dein Nervensystem nicht gut reguliert ist, dann befindet es sich im Kampf-Flucht Modus. Ist es gut reguliert, dann ist es im Verbundenheitsmodus. Dir ist sicherlich klar, dass im Kampf-Fluchtmodus das Selbstbewusstsein eher niedrig ist und im Verbundenheitsmodus eher hoch. Natürlich gibt es da nicht diese schwarz – weiss Sicht, also es gibt nicht dieses entweder – oder. Eher ist es so wie ein Kontinuum. Aber es gibt eine klare Grenze an der es sichtbar wird, dass etwas innerlich umschaltet.

Niedriges Selbstbewusstsein

Wenn dein Körper sich auf Kämpfen oder Fliehen vorbereitet, dann hat er vollkommen andere Fähigkeiten, als wenn er sich darauf einstellt, ein gutes Miteinander mit dir und anderen zu ermöglichen. Das sind genau diese beiden Zustände, diese beiden Fähigkeiten des Nervensystems, die ein vollkommen unterschiedliches Selbstbewusstsein hervorbringen. Wenn das Selbstbewusstsein niedrig ist, dann ist unser System im Kampfmodus oder im Fluchtmodus angelangt. Und darin haben wir als erstes eine vollkommen andere Wahrnehmung. Eher einen Tunnelblick. Oder Scheuklappen. Wir sind dann auf allen Sinneskanälen darauf spezialisiert, Gefahren wahrzunehmen. Aus welcher Richtung kommt Gefahr? Der Blick schweift suchend umher, das wird als unsicher wahrgenommen. Die Bewegungen sind eher hektisch, fahrig, wir ruhen nicht in uns selbst. Jeder sieht uns Unruhe sofort an. Unsere Haltung ist entweder eher schützend, wir machen uns klein. Oder wir plustern uns auf und versuchen, Macht zu demonstrieren.

Da wir keinen Zugang zu unseren Gefühlen haben, spüren wir nicht unsere Bedürfnisse. Klar, es geht jetzt nicht darum, zu spüren was ich will – ich muss nur weg oder mich verteidigen, kämpfen. Da spielen Bedürfnisse keine Rolle. Und das ist ein ganz wichtiger Punkt: Ich weiss nicht was ich will – das ist gar nicht selbstbewusst und macht zudem unzufrieden. Andere spüren das auch – und reagieren entsprechend. In Beziehung zu anderen erlebe ich mich entweder mächtiger oder ohnmächtiger – also in der Hierarchie weiter oben oder weiter unten. Ich fühle mich also entweder mächtiger als jemand oder ohnmächtiger als jemand. Aber der Selbstwert kommt nicht aus mir selbst – deswegen liegt der Ursprung meines Wertes auch in anderen – und nicht in mir – was natürlich ein ganz schlechtes Zeichen ist. In diesem Modus ist es so: Wenn ich meine Ziele kenne, dann zweifle ich zumindest ständig daran sie zu erreichen. Oder wenn ich sie eben nicht kenne, muss ich sie ständig bei anderen klauen. Und dann auch noch verbergen, dass es von anderen kommt, damit es keiner merkt. Das kostet Kraft und Energie – und so fehlt mir auch noch zu allem anderen das: Lebensenergie, ich bin eher müde. Die anderen erkennen also entweder auf den ersten Blick, dass mein Selbstwert gar nicht so gut ausgebildet ist. Oder es scheint nach außen so, als hätte ich einen hohen Selbstwert – innen sieht es aber ganz anders aus. Denn das kann man natürlich auch alles antrainieren und spielen.

Hohes Selbstbewusstsein

Wenn das Selbstbewusstsein hoch ist, dann ist unser Nervensystem im Verbundenheitsmodus oder im Beziehungsmodus angekommen. Unsere Wahrnehmung ist ganzheitlich, wir können vieles um uns gleichzeitig wahrnehmen. Auch ist die Bandbreite, was wir wahrnehmen viel größer und nicht nur auf Gefahrenreize beschränkt. Ohne Scheuklappen bekommen wir viel mehr mit von der Welt – und sie sieht irgendwie bunter, freudiger, freundlicher und offener für uns aus. Die Menschen begegnen uns dann auch ganz anders, wir werden anders wahrgenommen, anders in Gruppen integriert, nehmen ganz anders an Gesprächen teil. Und wir sind beliebt. Ganz einfach so. Gefühle sind angeschaltet, ich kann spüren welche Bedürfnisse ich habe. So bekomme ich auch, was ich will – und bin zufrieden. In Beziehung zu anderen bin ich auf Augenhöhe. Denn ich kann mir im Traum nicht vorstellen, dass andere weniger oder mehr wert sind als ich – alle Menschen haben denselben Wert. Mein Wert kommt aus mir selbst und ich brauche andere nicht aufwerten oder abwerten, um meinen Wert zu spüren. Ich ruhe in mir selbst, kann meinen Tag planen, habe eine hohe Selbstwirksamkeit. Klar, ich habe auch das Gefühl, meine Ziele gut zu erreichen – und ich kenne sie.

Wenn das stimm, dann…

Genau, wenn das stimmt, dann liegt es nicht in meiner Person begründet, ob ich selbstbewusst bin oder nicht. Wenn das stimmt, dann ist Selbstbewusstsein einfach nur ein Ausdruck des Zustandes, in dem sich mein Nervensystem gerade befindet. Dann ist Selbstbewusstsein einfach nur die Fähigkeit, zu erkennen, in welchem Zustand mein Nervensystem gerade ist plus der Fähigkeit, es umschalten zu können. Du kannst es verändern – du kannst es lernen. Genau – und darum geht es hier im Blog und im Podcast. Genau das ist die Grundlage meiner ganzen Arbeit. Und ich habe dir jetzt mal einen ganz anderen Blickwinkel auf Selbstbewusstsein gegeben, stimmt’s?

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