Seit Monaten scharwenzele ich selber um eine Entscheidung herum. Noch möchte ich nicht sagen, worum es geht. Du wirst es sicher hier irgendwann lesen. Ich konnte sie bisher nicht treffen – jetzt wird mir klar warum. Und ich weiss, dass es vielen anderen auch so geht. Doch ich wage zu behaupten, dass die Mehrheit davon keine Ahnung hat, womit das zusammenhängt. Und da mag ich in dem heutigen Blogartikel Klarheit hinein bringen und dem Nebel ein wenig lichten.

Triggerwarnung: Falls du Trauma erlebt hast, lies lieber mal nicht weiter. Es geht nicht um sexuellen Mißbrauch, aber um ganz extreme körperliche Überforderung und auch Sexualität.

Ich mag die Entscheidung gerne treffen – es ist aber wie verhext… ich kann nicht!

Obwohl ich eine erwachsene Frau bin und weiss, was ich will, machte ich bisher die Erfahrung, dass es mir extrem schwer fiel, wichtige Entscheidungen zu treffen. Oft brauchte ich die Unterstützung von jemandem oder eierte wochen- oder monatelang herum, bis ich endlich  ein Ergebnis fand. Ich beobachtete das zwar, dachte mir aber nicht viel dabei. Und das ist womöglich genauso wie bei vielen anderen auch. Deshalb mag ich meine Erfahrung hier mit dir teilen. Meine Erkenntnisse haben mir zwar nicht gewundert – aber ziemlich überrascht. Ich bin ja schon gesegnet mit einigen Bindungsverletzungen – aber mit dieser hatte ich echt nicht gerechnet – noch eine! Aber der Reihe nach. Und dazu nehme ich dich jetzt mit in meine innere Welt. So ein klein wenig wie bei der “Reise ins ich.”

Ich begegne einer lange verdrängten Angst

Bei einem Termin, bei dem ich mich selber unterstützen lasse, spüre ich plötzlich Körperempfindungen, die ich gar nicht mag. Ich habe keine Bilder dazu, aber etwas möchte sich in meinem ganzen Körper ausbreiten. Es überfordert mich über alle Maßen, ich spüre Scham, Schuld, Ekel, Angst, Verwirrung, höre Töne. Und war mich am meisten unsicher macht: Ich habe keine Worte für das, was da geschieht. Dem ganzen bin ich schutzlos ausgeliefert. Gerne möchte ich dem ein Ende bereiten – aber ich kann es nicht. Nach wenigen Atemzügen, die mir wie eine Ewigkeit vorkamen begreife ich: Ich liege als kleines Kind in meinem Bett und habe die Decke über meinen Kopf gezogen.

Bis ich zur Schule kam, bis ich also 7 Jahre alt war, stand mein Bett im Schlafzimmer meiner Eltern. Ich habe keine Bilder im Kopf aus dieser Zeit – aber diese unangenehmen, sehr überfordernden Körperempfindungen. Ich höre Töne, ich spüre prickelnde Energien, die ich weder fühlen möchte, noch kenne. Ich spüre, dass jemand etwas nicht möchte und doch macht, ich spüre enormes Verlangen, Lust, Ablehnung, Schmerz, Stöhnen, Flüstern und dann Stille. Meine Eltern sind da, ich habe keine Ahnung was sie machen, ich fühle mich nicht wohl, bräuchte ihren Schutz, mag nicht auf mich aufmerksam machen, kann nicht aus dem Bett in den anderen Raum gehen, habe nur die Chance, mich unter meine Bettdecke zu verkriechen. Ich ziehe sie mir so über den Kopf, dass ich kaum noch atmen kann. Als schließlich jemand zu mir herschaut, stelle ich mich schlafend. Ich bin eingehüllt in die Bettdecke und ausserdem in einen Gefühlsmix aus Schuld, Scham, Angst, Verwirrung und Ekel und ich habe keine Worte für diese Gefühle. Ich schäme mich für das, was da gerade passierte. Eigentlich sollte ein Elternteil das bemerken und mir dabei helfen, mich zu regulieren. Jemand sollte da sein und diesen Empfindungen Worte geben. Einer sollte kommen und es erstmal bemerken. Denn: Ein Kind sollte solche Gefühle niemals haben. Sie überforderten einen so kleinen Körper. Ich hatte keinerlei Hilfe dabei, wie ich diese Gefühle irgendwie regulieren könnte. Also musste ich alleine damit klar kommen.

Das einzige, das mir half, mit den überfordernden Gefühlen klar zu kommen

Hilfe von außen hatte ich nicht, zu verstehen was da ablief. Ich hatte auch keine Hilfe dabei, zu benennen was ich erlebte. Und schon gar keine Hilfe hatte ich dabei, mich wieder wohl zu fühlen. Die nächste Option wäre, dass ich aus der Situation gehen könnte. Das wäre die Möglichkeit, die Flucht anzutreten. Die konnte ich auch nicht wählen – oft wurde ich ja im Schlaf den Empfindungen ausgesetzt und wachte damit dann auf. Verteidigen konnte ich mich auch nicht – ich vermute, dass mein Körper durch die häufige Konfrontation damit auch einfach abgeschaltet war – in der Schockstarre eingefroren. Damit war ich zumindest emotional betäubt und handlungsunfähig – aber auch körperlich. Das alles erklärt mir noch mehr, warum ich als Kind und Jugendliche einfach nicht in Gruppen reinkam. Ich konnte schlicht die soziale Intelligenz nicht aufbringen, die nötig gewesen wäre. Ich vermute, dass ich mich einfach entschied, ausserhalb des Körpers zu sein. Das war ein Fluchtweg, der ich pränatal schon gewählt hatte – als meine beiden Drillingsschwestern im Fruchtwasser verwesten, während ich weiter wuchs. Ich schützte mich damals vor den Auswirkungen der Vergiftung, die zwar nicht die Schwangerschaft beendete, der Körper kam irgendwie damit klar – aber ich bekam die Zersetzung dennoch ab. Aber zurück in mein kleines Kinderbett.

Ich hatte also nur die Option, gar nicht im Körper zu sein. Aber es war nicht die einzige. Ich hatte noch eine. Offenbar beschloss ich damals, dass ich dem ein Ende bereiten konnte, wenn ich einfach beschloss, niemals erwachsen zu werden. Wenn ich niemals erwachsen werde, dann muss mein Körper niemals diese Empfindungen haben – damit war ich ja auch davor geschützt.

Diese Entscheidung ist aber viel weitreichender als ich absehen konnte

Damals war mir natürlich noch nicht klar, dass ich mich mit dieser Entscheidung nicht nur schützte, sondern mich von ganz vielen Dingen abschnitt. Ich schnitt mich ab von vielem, das zu einem erwachsenen Leben gehört. Zum einen fand ich in einer BodyTalk Balance heraus, dass ich mit ungefähr im 13. Lebensjahr erneut großen Stress erlebte – ja eben zum Zeitpunkt als meine Sexualität erwachte. Hier entschied ich mich aufgrund dieses inneren Stresses, dass ich nicht meinen eigenen Lebensweg gehen würde. Damit war der Weg geebnet, dass ich immer jemanden brauchte, an den ich mich hängen konnte. So wie Kinder das eben brauchen. Wer erwachsen wird, der wird irgendwann unabhängig von seinem Elternhaus. Und abgeschnitten hatte ich mich bisher davon, einen wirklich eigenen Weg zu gehen. Interessant ist es ja, dass ich mir auf die Fahne geschrieben habe, Frauen dabei zu unterstützen, ihren eigenen Weg zu finden und zu gehen, nicht wahr? Ja, es hat alles immer auch mit uns selber zu tun – die ganzen Themen. Das ist zumindest meine Erfahrung. Aber mal weiter im Thema.

Von welchen Themen schneidet sich ein Kind mit dieser Entscheidung ab?

Es geht also um den eigenen Weg. Klar habe ich kapiert, dass ich aus diesem Grund auch keine Kinder habe. Ich wollte bisher keine oder sagte einfach, dass ich meinen Mann zu spät kennen lernte. Aber das sind alles Erklärungen, die aus dem Kopf kommen. Im Grunde war das alles Ausdruck der Entscheidung, die ich als kleines Kind als Lösung für die vollkommene Überforderung unter meiner Bettdecke getroffen hatte. Ein Kind braucht auch keine Entscheidungen zu treffen – die werden für es getroffen. Es hat auch den Wunsch, dass die Eltern Entscheidungen für es treffen. Denn es kann die Verantwortung dafür noch gar nicht tragen. Dieses “nicht fähig sein, Verantwortung zu tragen” ging so weit, dass ich zum Beispiel in meinem ersten Job als Bauzeichnerin meinem Projektleiter regelmäßig nicht sagen konnte, wann ich mit einem Projekt fertig sein würde. Ich schaffte es regelmäßig ganz flott und ich hatte natürlich Erfahrung – ich hätte es locker einschätzen können. Aber mein Inneres brachte es einfach nicht über die Lippen, ihm zu sagen: “In drei Stunden, Tagen oder Wochen.” Ich wollte diese Verantwortung nicht haben. Ein Kind hat auch keine Ziele, verfolgt sie nicht – sondern es ordnet sich den Zielen der Eltern unter.

Wie waren meine ersten Reaktionen?

Was als erstes passierte war, dass der Schock sich löste, die Überforderung löste sich aus dem Emotionalkörper, aus dem physischen Körper. Das spürte sich sehr erleichternd an. Ich unterstützte das auch noch durch die Übungen aus dem neuerogenen Zittern. Und ich weinte. Es löste sich ganz viel Trauer – von der ich nicht im Entferntesten ahnte, dass sie überhaupt vorhanden war. Die ganze Trauer um das ungelebte Leben – was bei Trauma übrigens ganz normal ist. Und auch erst dann, wenn die Schocks gelöst sind, kann diese Trauer wirklich fliessen und sich zeigen. Manche fragen sich dann: “Ich sollte traurig sein – warum kann ich nicht weinen?”. Andere sind überrascht von der Trauer, die in ihnen steckt. Gerade wenn die Trauer aus diesen frühen Kindheitstagen stammt überrascht das die Frauen sehr. Das sehe ich in meinen Begleitungen immer wieder. Dann suchte ich mir einen Platz, an dem ich die Lösung des Schocks unterstützen konnte durch Neurogenes Zittern. Als mein Körper begann zu Gähnen, wusste ich, dass ich mit den Zitter-Übungen aufhören konnte – die Anspannung hatte sich gelöst.

Meine Einsichten seit der Lösung des Schocks

Jetzt ist mir klar, warum ich mir immer wünschte: “Ach würde doch jemand an meiner statt diese Entscheidung treffen.” Tat natürlich keiner. Und wenn – dann wäre ich bestimmt irgendwann wütend gewesen auf diese Person – weil sie oder er die falsche Entscheidung getroffen hatte. So funktioniert übrigens das Opferbewusstsein. Auch das ist einfach nur eine Ausprägung einer Altersinkongruenz. Denn diese Entscheidung, nicht erwachsen werden zu wollen, wirkt sich genauso aus, als ob die Entwicklungsverzögerung durch einen Schock ausgelöst wurde. Ein Teil von einem bleibt emotional stehen, fühlt sich und verhält sich auch so. Der andere Teil wird erwachsen – denn es ist natürlich niemals die gesamte Persönlichkeit, die dort gewissermaßen “stecken bleibt”. Und ich bin mir sicher: Diese Frage wird sicher die eine oder die andere bei sich auch beobachtet haben. Dieses Ringen mit sich – die Entscheidung ist eigentlich klar – aber ich mag sie nicht treffen. Möge sie doch bitte jemand anders treffen. Wenn dir das bekannt vorkommt, dann empfehle ich dir, dich auf die Suche zu machen, wo ein Teil deines Inneren weit zurück in der Vergangenheit stecken geblieben ist. Vielleicht gab es auch bei dir ein Versprechen? Oder es gab einen Schock? Melde dich gerne bei mir für einen kostenlosen Souveränitäts-check.

Was hat das nun mit dem Selbstbewusstsein zu tun?

Wenn da ein Teil von dir in der Vergangenheit steckt, leidet auch immer das Selbstbewusstsein. Dieser kindliche Teil, der sich ja immer noch im Überlebensmodus befindet, der sich durch sein Versprechen oder seinen Beschluss oder durch den Schock vor einer Überforderung schützt – der steht dir heute nicht zur Verfügung. Dieser Teil kämpft oder versteckt sich – schützt sich eben. Das können die unterschiedlichsten Umstände sein. Wie gesagt – lass uns in einem Souveränitäts-check herausfinden, wie du dich daraus befreien kannst.

Wozu mich dieser Beitrag inspirierte

Lange habe ich überlegt, ob ich diesen – auch sehr intimen – Beitrag überhaupt verfassen soll. Ich habe mich mit Kolleginnen beraten. Sie erzählten mir dann, dass es heute üblich ist, dass ganze Familien im Familien-Bett leben. Dort würde auch Sexualität stattfinden – die Kinder mit im Bett. Mir hat es gegraut dabei, das zu hören. Ich teile hiermit meine Geschichte mit der Welt – zum einen, weil du dir damit auf die Schliche kommen kannst. Mir geht es dabei um die einen, die mit dem Lebensgefühl durch die Welt leben: “Möge doch jemand diese Entscheidung für mich treffen.” Aber auch, damit andere nachdenken können. Vor allem, damit Eltern sich Gedanken machen, ab wann ist es angebracht, dass Kinder nicht mehr in den Raum gehören, in dem sie sich körperlich lieben. Ich werde mich entwicklungspsychologisch mal auf die Suche machen – und mich auch mit Kolleginnen austauschen. Ich werde Psychologinnen befragen und vor allem Menschen, die sich mit frühen Bindungsverletzungen auskennen. Ich halte dich darüber auf dem Laufenden.

 

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